Qualifikationsniveau des pädagogischen Personals in Horten und Hortgruppen

In den vergangenen Jahren ist eine breite Vielfalt ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Schulkinder entstanden, deren Entwicklung und Inanspruchnahme sich zwar zwischen den Bundesländern stark unterscheidet (s. Indikator „Bildungsbeteiligung von Schulkindern in KiTas, Ganztagsschulen und Kindertagespflege“), die sich aber auf institutioneller Ebene im Wesentlichen auf Ganztagsschulen und Horte als Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aufteilen (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014: 78). Zur Gewährleistung der Qualität dieser Angebote ist eine hohe Qualifikation des in diesen Einrichtungen pädagogisch tätigen Personals unerlässlich (vgl. ebd.: 81 sowie Deutscher Verein 2015: 9). Welches Qualifikationsniveau die Fachkräfte, die in Horten und in reinen Hortgruppen (Schulkindergruppen) beschäftigt sind, aufweisen, kann mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik dargestellt werden (s. methodische Hinweise).

In dem vorliegenden Indikator werden pädagogisch Tätige in Horten und in reinen Hortgruppen (Schulkindergruppen) nach ihrem Qualifikationsniveau ausgewiesen. Dadurch wird nicht das gesamte pädagogische Personal, das in Kindertageseinrichtungen mit Schulkindern arbeitet, abgebildet. So bleibt dasjenige pädagogische Personal unberücksichtigt, das gruppenübergreifend in Kindertageseinrichtungen tätig ist, in denen neben Schulkindergruppen noch andere Gruppen sind, sowie pädagogisches Personal, das nicht zu dem überwiegenden Teil ihrer Arbeitszeit in Schulkindergruppen tätig ist und pädagogisches Personal, das in altersgemischten Gruppen tätig ist, in denen neben Schulkindern auch jüngere Nichtschulkinder betreut werden.

Das Qualifikationsniveau der Beschäftigten wird im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik anhand diverser Berufsausbildungsabschlüsse erfasst. Diese werden in dem vorliegenden Indikator zu den folgenden Qualifikationsniveaus zusammengefasst:

- (Einschlägiger) Hochschulabschluss: Dipl.-Sozialpädagog:in oder Dipl.-Sozialarbeiter:in oder Dipl.-Heilpädagog:in (FH oder vergleichbarer Abschluss), Dipl.-Pädagog:in oder Dipl.-Erziehungswissenschaftler:in oder Dipl.-Sozialpädagog:in (Universität oder vergleichbarer Abschluss), anerkannte:r Kindheitspädagog:in (Bachelor- oder Masterabschluss; Erfassung erst ab 2012)

- (Einschlägiger) Fachschulabschluss: Erzieher:in, Heilpädagog:in (Fachschule), Heilerzieher:in, Heilerziehungspfleger:in

- (Einschlägiger) Berufsfachschulabschluss: Kinderpfleger:in, Familienpfleger:in, Assistent:in im Sozialwesen, soziale und medizinische Helfer:innenberufe

- Sonstige Ausbildungen: Sonstige soziale/sozialpädagogische Kurzausbildung, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in, Psychologische:r Psychotherapeut:in, Psycholog:in mit Hochschulabschluss, Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut:in (Ergotherapeut:in), Bewegungspädagog:in, Bewegungstherapeut:in (Motopäd:in), Arzt:Ärztin, (Fach-)Kinderkrankenpfleger:in, Krankenpfleger:in, Altenpfleger:in, Krankengymnast:in, Masseur:in, und med. Bademeister:in, Logopäd:in, Sonderschullehrkraft, und sonstige Berufsausbildungsabschlüsse

- Daten bis 2014 sowie 2016 und 2017: In Ausbildung: Praktikant:in im Anerkennungsjahr, anderweitig noch in Ausbildung

- Daten bis 2014 sowie 2016 und 2017: Ohne Abschluss: Ohne abgeschlossene Ausbildung

- Daten 2015: In Ausbildung/ohne Abschluss: Praktikant:in im Anerkennungsjahr, anderweitig noch in Ausbildung, ohne abgeschlossene Ausbildung (Anders als die Jahre zuvor und als 2016 und 2017 mussten die Kategorien „In Ausbildung“ und „Ohne Abschluss“ aus Gründen der Geheimhaltung zusammengelegt werden.)

Aus Gründen des Datenschutzes sind 2016 in der Kategorie "Sonstige Ausbildungen" die pädagogisch Tätigen mit „(einschlägigem) Berufsfachschulabschluss“ aus Bremen sowie pädagogisch Tätige aller Qualifikationsniveaus aus Thüringen zusammengefasst. 

In Berlin sind 2005 die Horte aus der Trägerschaft der Kinder- und Jugendhilfe in schulische Verantwortung übertragen worden. Entsprechend gibt es in Berlin keine Schulkinder, die ein Hortangebot der Kinder- und Jugendhilfe nutzen und somit auch kein entsprechendes Personal, da hier ausschließlich das Qualifikationsniveau des Personals in Horten und Hortgruppen in Trägerschaft der Kinder- und Jugendhilfe ausgewiesen wird.

In Thüringen sind die Horte in schulischer Verantwortung. Diese zentrale Rolle von Schulhorten ist bundesweit konzeptionell einmalig. Daneben werden auch einige wenige Schulkinder in Kindertageseinrichtungen betreut; ganz vereinzelt gibt es auch reine Schulkindergruppen in Kindertageseinrichtungen. Statistisch lässt sich auch das in diesen reinen Schulkindergruppen tätige Personal mit dem jeweiligen Qualifikationsniveau ausweisen. Es handelt sich jedoch um eine äußerst geringe Fallzahl. Zudem handelt es sich dabei um kein explizit durch landespolitische Maßnahmen gesteuertes konzeptionelles Angebot. Um die Anzahl der pädagogisch Tätigen in Schulkindergruppen und Kindertageseinrichtungen dennoch ausweisen zu können, wurden 2016 aus Gründen des Datenschutzes alle Qualifikationsniveaus unter der Kategorie „Sonstige Ausbildungen“ zusammengefasst.

Für die Daten aus 2017 gilt aus Gründen des Datenschutzes, dass die Angaben für Ostdeutschland mit Berlin, aber ohne Thüringen und für Westdeutschland ohne Bremen ausgewiesen werden. Die Werte für Gesamtdeutschland sind inklusive der Werte aus allen Bundesländern.

In 2018 werden aus datenschutzrechtlichen Gründen in Hamburg die Kategorie einschlägiger Berufsfachschulabschluss zu einschlägiger Fachschulabschluss zusammengefasst und die Kategorie ohne Abschluss zur Kategorie in Ausbildung. Darüber hinaus muss in Hamburg die Kategorie einschlägiger Fachschulabschluss komplett gesperrt werden, da diese Kategorie aus datenschutzrechtlichen Gründen mit den einschlägigen Fachschulabschlüssen in Thüringen zusammengefasst wurde.

Für das Datenjahr 2020 ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der zeitweiligen Schließung bzw. des eingeschränkten Betriebs der Kindertageseinrichtungen durch die Corona-Pandemie einige Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen ihre Daten nicht rechtzeitig übermitteln konnten. Bei den entsprechenden Daten muss von einer Untererfassung von ca. 50 KiTas mit ca. 2.000 betreuten Kindern und dem jeweiligen Personal ausgegangen werden.

Quelle

Daten ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Daten 2017:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten 2011 bis 2016:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund, 2017.

Daten 2010:
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege 2010; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2011.

Literatur
Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2014): Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Bielefeld.

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (2015): Empfehlungen des Deutschen Vereins zur öffentlichen Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern im Alter von Schuleintritt bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. Berlin.