Gewünschter Betreuungsumfang in Kindertagesbetreuung

Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr soll auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden. So führen unter anderem die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten sowie die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere von Müttern, zu einer höheren Nachfrage nach öffentlichen Betreuungsangeboten und nach flexibleren Betreuungszeiten, was mit einer erhöhten Bedeutsamkeit öffentlicher Bildung und Erziehung einhergeht (vgl. Viernickel/Fuchs-Rechlin 2015). Auch Stahl und Schober (2016) legen mit ihren Ergebnissen nahe, dass der Ausbau eines ganztägigen Kindertagesbetreuungsangebotes zu mehr wahrgenommener Zufriedenheit bei den Müttern führt. Bedarfsgerechte zeitliche Betreuungsumfänge sind jedoch stets vor dem Hintergrund der Sicherstellung des Wohls des Kindes und der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu gewährleisten. Inwiefern die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten den von den Eltern für ihr Kind gewünschten Betreuungszeiten entsprechen, veranschaulicht der vorliegende Indikator. Dabei wird zum einen anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik analysiert, in welchem zeitlichen Umfang Kinder derzeit Angebote der Kindertagesbetreuung (KiTa und Kindertagespflege) nutzen. In dieser Statistik werden jährlich die wöchentlichen Betreuungszeiten, die für jedes Kind vertraglich vereinbart worden sind, stundengenau und differenziert nach genutzter Betreuungsform und Altersjahren erfasst. Zum anderen wird anhand der Daten der DJI-Kinderbetreuungsstudie U12 (2019) analysiert, welchen Betreuungsumfang sich Eltern für ihr Kind wünschen (s. methodische Hinweise). 

In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden die wöchentlich vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten erfasst. Anhand der amtlichen Statistik kann darüber hinaus grundsätzlich keine Aussage über die tatsächliche Nutzungsdauer der Betreuungsangebote getroffen werden. Ausgewiesen wird der vertraglich vereinbarte Betreuungsumfang. 

Die DJI-Kinderbetreuungsstudie wird seit 2016 jährlich vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführt und schließt an die KiföG-Länderstudie an, die im Rahmen der KiföG-Evaluation von 2012 bis 2015 vom DJI durchgeführt wurde. Bis 2017 wurden in der DJI-Kinderbetreuungsstudie Eltern von unter 15-jährigen Kindern befragt, ab 2018 von unter 12-jährigen Kindern. Ziel der Studie ist es, differenzierte Informationen zur Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsangeboten sowie zu den elterlichen Betreuungsbedarfen auf Ebene der Bundesländer zu erhalten. Dazu wurden ca. 33.000 Eltern von Kindern im Alter von unter zwölf Jahren befragt. Der gewünschte Betreuungsumfang wird nur bei den Eltern erhoben, die auch einen Bedarf für einen Betreuungsplatz angegeben haben. Es wird dabei nicht unterschieden zwischen dem gewünschten Betreuungsumfang in Kindertagespflege oder KiTa. 

Für das Datenjahr 2020 gilt: Aufgrund der zeitweiligen Schließung bzw. des eingeschränkten Betriebs der Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen durch die Corona-Pandemie konnten einige Einrichtungen ihre Daten nicht rechtzeitig übermitteln. Bei den vorliegenden Daten muss von einer Untererfassung von ca. 50 KiTas mit ca. 2.000 betreuten Kindern und dem jeweiligen Personal ausgegangen werden. 

Quelle

Quelle ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie Statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Deutsches Jugendinstitut: DJI – Kinderbetreuungsreport, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen. 

Quelle bis 2017:
Deutsches Jugendinstitut: DJI - Kinderbetreuungsreport 2016, 2017.

Literatur
Stahl, Juliane/Schober, Pia (2016): Ausbau der ganztägigen Kindertagesbetreuung kann zur Zufriedenheit von Müttern beitragen, DIW-Wochenbericht, 83(37), S. 840-847. 

Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten (2015): Fachkraft-Kind-Relationen und Gruppengrößen in Kindertageseinrichtungen. Grundlagen, Analysen, Berechnungsmodell, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.