Schulkinder mit nicht deutscher Familiensprache in KiTas und Horten

Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage zunehmend in einer multikulturellen Gesellschaft auf, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an Kindern mit Fluchtgeschichte in Deutschland. Dabei ist die erfolgreiche Teilhabe am deutschen Bildungssystem in erheblichem Maße davon abhängig, ob Kinder über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund (mindestens ein Elternteil ist ausländischer Herkunft), für die Deutsch ihre zweite oder auch dritte Sprache ist, brauchen deshalb möglichst früh Lebenskontexte, die es ihnen auch ermöglichen, Deutsch zu lernen. Horte können einen dieser bedeutsamen Lebenskontexte darstellen, indem zum einen die dort tätigen Fachkräfte die Sprachfähigkeiten der Kinder gezielt fördern und zum anderen Kinder, die in ihren Familien nicht deutsch sprechen, von Kindern, die in ihren Familien deutsch sprechen, lernen. So konnten bisherige Studien belegen, dass Kinder mit Migrationshintergrund mit zunehmender Dauer des Kindergartenbesuchs seltener Defizite in der deutschen Sprache aufweisen (vgl. z. B. Becker 2006). Ebenso ist das Potential der Mehrsprachigkeit auch als Chance für das Aufwachsen von Kindern zu verstehen. Die Information, dass Kinder überwiegend eine andere Sprache als deutsch in ihren Familien sprechen, gibt wertvolle Hinweise für die besondere Funktion, die KiTas bzw. Horte für diese Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache zukommt. Vor diesem Hintergrund wäre es aufschlussreich festzustellen, ob das pädagogische Personal in den KiTas bzw. Horten ausreichend qualifiziert ist, um Kindern mit Migrationshintergrund angemessene Bildungsgelegenheiten zu eröffnen, und insbesondere, ob das Personal die Kinder, die in der Familie vorrangig nicht deutsch sprechen, angemessen beim Zweitspracherwerb (deutsch) begleiten kann. Wie viele der betreuten Kinder in Horten derzeit in der Familie vorwiegend nicht Deutsch sprechen, kann mit Hilfe der amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik für die Altersgruppe der Schulkinder unter elf Jahren auf Ebene der Kreise bzw. kreisfreien Städte dargestellt werden (s. methodische Hinweise).

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird erhoben, ob in der Familie vorrangig deutsch oder nicht deutsch gesprochen wird. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass die auf diese Weise erfasste Gruppe an Kindern mit nicht deutscher Familiensprache sehr heterogen hinsichtlich ihrer (sozio-)ökonomischen und sozialen Lebenslage, Kultur und Biografie, etc. ist.

Für das Datenjahr 2020 ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der zeitweiligen Schließung bzw. des eingeschränkten Betriebs der Kindertageseinrichtungen durch die Corona-Pandemie einige Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen ihre Daten nicht rechtzeitig übermitteln konnten. Bei den entsprechenden Daten muss von einer Untererfassung von ca. 50 KiTas mit ca. 2.000 betreuten Kindern und dem jeweiligen Personal ausgegangen werden.

Quelle

Daten ab 2019:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie Statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Literatur
Becker, Birgit (2006): Der Einfluss des Kindergartens als Kontext zum Erwerb der deutschen Sprache bei Migrantenkindern, in: Zeitschrift für Soziologie, 35. Jg., Heft 6, S. 449-464.