Personalschlüssel (ohne Leitungszeit){{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Ein zentrales, vielfach diskutiertes strukturelles Qualitätsmerkmal von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung ist der sogenannte Personalschlüssel in KiTas. Dieser Indikator gibt das Verhältnis von Anzahl der betreuten Kinder zu einer Fachkraft wieder. Bisherige, insbesondere internationale, Studien zeigen: Bessere Personalschlüssel ermöglichen positive pädagogische Interaktionen und bildungsanregende Aktivitäten für die Kinder (vgl. zum Forschungsstand Viernickel/Schwarz 2009: 13ff.). Zudem lassen sich bei einem vergleichsweise guten Personalschlüssel eine positive Entwicklung der sprachlich-kognitiven Fähigkeiten und eine Steigerung des emotionalen Wohlbefindens der Kinder erkennen (vgl. ebd.). Die Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik veranschaulichen, dass die Personalressourcen der KiTas in den Bundesländern sehr unterschiedlich ausgestaltet und die strukturellen Rahmenbedingungen sehr heterogen sind.

Zur Gewährleistung eines kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnisses empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, dass in einer reinen Krippengruppe drei Kinder im Alter von null bis unter drei Jahren von einer Fachkraft betreut werden sollen, also ein Verhältnis von 1 : 3. Die Empfehlung für die klassische Kindergartengruppe, also in einer Gruppe in der ab dreijährige Kinder bis zum Schuleintritt betreut werden, liegt bei 1 : 7,5. Die Empfehlungen beziehen sich auf den Personalschlüssel, der die Arbeitszeit des Leitungspersonals nicht berücksichtigt (s. methodische Hinweise).

Anhand der aktuellsten amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik vom 01.03.2017 zeigt sich, dass die von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen Personalschlüssel sowohl in den Krippengruppen (1:3) als auch in den Kindergartengruppen (1:7,5) nicht erreicht werden. So entsprach der Personalschlüssel (ohne den Beschäftigungsumfang des Leitungspersonals) in den Krippengruppen (Gruppen mit ausschließlich Kindern unter drei Jahren) nur in Baden-Württemberg (1:3,1) und in Bremen (1:3,3) annähernd der empfohlenen Relation von 1:3. Die Personalschlüssel in den übrigen Ländern variierten zwischen 1:3,5 (Rheinland-Pfalz) und 1:6,4 (Sachsen). Demnach ist zum Beispiel in Sachsen eine Fachkraft für mehr als doppelt so viele unter dreijährige Kinder zuständig als in Baden-Württemberg. Diese Qualitätsunterschiede setzen sich auch in der Kindergartengruppen (Gruppen mit Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt) fort: Auch hier kann in Baden-Württemberg (1:7,1) und in Bremen (1:7,7) die Empfehlung von 1:7,5 (annähernd) erreicht werden, wohingegen die Personalausstattung in den Kindergartengruppen in Mecklenburg-Vorpommern (1:13,4) am stärksten von der Empfehlung abweicht. Mit den amtlichen Daten von 2014 war es erstmalig möglich den Personalschlüssel für den Stadtstaat Berlin zu berechnen, da zuvor das Merkmal Gruppenzugehörigkeit der Kinder in Berlin nicht erfasst wurde. Wie schon in den Jahren zuvor so zeigt sich mit den aktuellen Daten von 2017, dass in den Berliner Krippengruppen ein Personalschlüssel vorliegt (1:5,9), der eher den ostdeutschen Verhältnissen (1:6,0) entspricht, wohingegen in den Kindergartengruppen ein Personalschlüssel erreicht wird (1:8,6), der eher den westdeutschen Verhältnissen (1:8,4) gleicht. 

Wie viel Prozent der KiTa-Kinder im Alter von unter drei Jahren bzw. ab drei Jahren in dem Gruppentyp „Krippengruppe“ bzw. „Kindergartengruppe“ betreut werden, kann dem Indikator „Gruppentypen“ entnommen werden.

Der für jedes Bundesland ausgewiesene Personalschlüssel ist eine mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik ermittelte rechnerische Größe (vgl. Fuchs-Rechlin 2013; Strunz 2013; Lange 2008). Der Wert gibt Auskunft darüber, wie viele ganztags betreute Kinder (Ganztagsbetreuungsäquivalente) von einer Vollzeit arbeitenden Fachkraft (Vollzeitäquivalent) betreut werden. Es geht also um den Personalressourceneinsatz, und somit um die Relation zwischen den vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten aller Kinder und den vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die für eine Gruppe eingesetzt werden. Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit umfasst die unmittelbare pädagogische Arbeit mit den Kindern sowie die mittelbare pädagogische Arbeit, die auch Vorbereitungszeiten, Teamsitzungen, Elterngespräche, usw. beinhaltet. Des Weiteren sind darin Urlaub und Fortbildungszeiten – sogenannte Ausfallzeiten – enthalten. Der hier ausgewiesene Personalschlüssel umfasst neben den Arbeitszeiten des pädagogischen Gruppenpersonals auch anteilig die Arbeitszeiten des gruppenübergreifenden Personals. Die Arbeitszeiten des  Leitungs- und Verwaltungspersonals sowie der Beschäftigten, die für die Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung zuständig sind, werden nicht berücksichtigt. Somit wird im Gegensatz zu dem Indikator „Personalschlüssel (mit Leitungszeit)“ bei dem vorliegenden Indikator die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit des Leitungspersonals nicht beachtet. Der Personalschlüssel gibt nicht an, wie viele Kinder zu jedem Zeitpunkt am Tag von einer Fachkraft betreut werden. Dies wiederum wird mit Hilfe der sogenannten Fachkraft-Kind-Relation dargestellt, die sich tatsächlich nur auf die direkte pädagogische Arbeitszeit in den Gruppen bezieht.

Die Berechnung des ausgewiesenen Personalschlüssels wurde innerhalb der vergangenen Jahre umgestellt, so dass der hier ausgewiesene Personalschlüssel in zweifacher Hinsicht nicht mit den Werten der Vorjahre vergleichbar ist: Ab 2010 wird zum einen der gruppenbezogene Median dargestellt, d. h. der Zentralwert aller jeweils errechneten Personalschlüssel. In den Vorjahren wurde das arithmetische Mittel ausgewiesen, also der durchschnittliche Wert aller jeweils berücksichtigten Personalschlüssel. Zum anderen wird ab 2012 der exakte vertraglich vereinbarte wöchentliche Betreuungsumfang der Kinder erfasst und nicht wie in den Vorjahren nur Kategorien der täglichen Betreuungszeiten. Darüber hinaus werden ab 2012 die Arbeitszeiten des Personals in bis zu zwei Arbeitsbereichen erfasst, zuvor wurde die gesamte Arbeitszeit der Tätigen dem überwiegenden Arbeitsbereich zugeordnet. Dadurch konnte die Berechnung des Personalschlüssels verbessert werden; der Vergleich zu den Vorjahren ist jedoch nur noch sehr eingeschränkt möglich (vgl. Fuchs-Rechlin 2013).

Ausgewiesen werden die Personalschlüssel in KiTas ohne Leitungsstunden für die folgenden zwei Gruppentypen:

  • "Krippengruppen": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich Kinder unter drei Jahren betreut werden.
  • "Kindergarten, Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt sind, also die klassischen Kindergartengruppen.

Die Zuordnung von Gruppen in Kindertageseinrichtungen zu einem bestimmten Gruppentyp wird nicht von den Einrichtungen selbst vorgenommen, sondern erfolgt im Rahmen der Auswertung der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Dabei erfolgt die Zuordnung primär anhand der Alterszusammensetzung der Kinder in der Gruppe.
Gruppen in denen Kinder mit einer (drohenden) Behinderung betreut werden, werden in der Berechnung nicht berücksichtigt.
Weitere methodische Erläuterungen zum Personalschlüssel sind zu finden unter "Methodik".

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; zusammengestellt und berechnet von der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund. 

Literatur
Fuchs-Rechlin, Kirsten (2013): Genauer hingeschaut - Personalausstattung in KiTas schlechter als gedacht, in: KomDat Jugendhilfe, H. 1/2013, S. 12-15.

Lange, Jens (2008): Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen, Berechnungsgrundlagen und empirische Ergebnisse eines vielbeachteten Indikators, in: FORUM Jugendhilfe, H. 3/2008, S. 41-44.

Strunz, Eva (2013): Wie viel Personal für wie viele Kinder? - Der Personalressourceneinsatz in Kindertageseinrichtungen 2013, in: Forum Jugendhilfe, Heft 4/2013, S. 33-40.

Viernickel, Susanne/Schwarz, Stefanie (2009): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung – Wissenschaftliche Parameter zur Bestimmung der pädagogischen Fachkraft-Kind-Relation. Expertise. Herausgegeben vom Paritätischen Gesamtverband, dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) e.V. und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Berlin.