Qualifikation des Leitungspersonals{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Die in Kindertageseinrichtungen beschäftigten Leitungskräfte übernehmen eine wesentliche Funktion zur Erfüllung der vielfältigen und komplexen Anforderungen, die an die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung derzeit gerichtet werden, und somit auch eine Schlüsselposition zur Weiterentwicklung und Sicherung  der Qualität der pädagogischen Arbeit (vgl. Strehmel 2015: 150 ff.; Strehmel/Ulber 2014: 10ff.; Viernickel u. a. 2013). Über welche Berufsausbildungsabschlüsse die derzeit in KiTas beschäftigten Leitungskräfte je nach Leitungsprofil verfügen, kann mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik dargestellt werden (s. methodische Hinweise). Unter Leitungsprofil wird hier verstanden, ob die Leitungskraft über anteilige zeitliche Leitungsressourcen verfügt, also neben ihrer Leitungsfunktion noch in einem anderen Arbeitsbereich in der KiTa tätig ist, oder ob sie als eine Leitungskraft mit vollständigen zeitlichen Leitungsressourcen beschäftigt ist, also ausschließlich als Leitungskraft arbeitet.

Das Qualifikationsniveau von pädagogisch Tätigen in KiTas, die im Arbeitsbereich Leitung beschäftigt sind, ist tendenziell höher als das von denjenigen, die keine Leitungsfunktionen ausüben. So verfügen 2017 bundesweit nur 4,2 % der Beschäftigten in KiTas, die laut Vertrag keine Leitungsaufgaben ausüben, über einen fachlich einschlägigen Hochschulabschluss. Demgegenüber haben 16,7 % der Beschäftigten, die 50 % und mehr ihrer Arbeitszeit für Leitungsressourcen besitzen, einen solchen Abschluss. Am höchsten ist das Qualifikationsniveau bei den Leitungskräften, die über vollständige zeitliche Leitungsressourcen verfügen; von ihnen besitzen 24,4 % einen fachlich einschlägigen Hochschulabschluss. Darüber hinaus zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Sachsen sowie in Hamburg in verfügt jeweils über die Hälfte der Leitungskräfte mit vollständigen zeitlichen Leitungsressourcen über einen Hochschulabschluss (54,9 % bzw. 51,3 %). In Brandenburg ist dieser Anteil mit 13,7 % deutlich niedriger. Deutlich wird aber auch, dass fast durchgängig die Ausbildung zur Erzieherin bzw. ein fachlich einschlägiger Fachschulabschluss die Mindestqualifikation für eine Leitungstätigkeit ist. So ist auch in Bundesländern, in denen insgesamt der Anteil der pädagogisch Tätigen mit fachlich einschlägigem Fachschulabschluss hoch ist, der Anteil der Leitungskräfte niedrig, die weder einen einschlägigen Hochschulabschluss noch einen einschlägigen Fachschulabschluss haben. In Bayern verfügen 96,7 % der Tätigen mit vollständigen zeitlichen Leitungsressourcen, und jeweils ca. 99 % der Tätigen, die laut Vertrag überwiegend oder nachrangig mit zeitlichen Leitungsressourcen ausgestattet sind, über einen fachlich einschlägigen Hochschul- oder Fachschulabschluss. Bei allen anderen pädagogisch Tätigen liegt dieser Anteil bei lediglich 48,9 %. Der hohe Anteil der Leitungskräfte mit fachlich einschlägigem Fach- oder Hochschulabschluss ist auf die in allen Bundesländern landeseinheitlichen Anforderungen an das formale Qualifikationsniveau zurückzuführen (s. Indikator „

Regelungen zur Leitungsausstattung“). Ob die Leitungskräfte durch ein höheres Qualifikationsniveau besser auf ihre Leitungsfunktion vorbereitet sind, kann aus diesen Daten zwar nicht gefolgert werden. Immerhin zeigen Studien, dass KiTa-Leitungen sowohl über ein breites Kompetenzprofil verfügen müssen als auch einen hohen Bedarf an Weiterbildung haben (vgl. Beher/Walter 2012; Viernickel u. a. 2013). Neben den Anforderungen an das formale Qualifikationsniveau hängt die Einstiegsvoraussetzung für KiTa-Leitungen auch von weiteren Faktoren, wie beispielsweise mehrjähriger Berufserfahrung ab (s. Indikator „Regelungen zur Leitungsausstattung“).

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden die folgenden Arbeitsbereiche des Personals in KiTas sowie die für diese Bereiche vertraglich vereinbarten Wochenstunden erfasst: Gruppenleitung, Zweit- und Ergänzungskraft, gruppenübergreifend tätig, Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung, Leitung und Verwaltung. In der vorliegenden Auswertung werden die Personen, die ausschließlich Leitung als Arbeitsbereich angegeben haben, als Leitungskräfte mit vollständig zeitlichen Leitungsressourcen erfasst. Personen, die sich laut Vertrag nur für einen Teil ihrer Arbeitszeit Leitungstätigkeiten widmen, fallen unter Leitungskräfte mit überwiegend oder nachrangig zeitlichen Leitungsressourcen. Überwiegend bedeutet, dass sie 50 % und mehr ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben zuständig sind. Nachrangig bedeutet, dass diese Personen weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit für Leitungstätigkeiten zur Verfügung stehen haben. Ohne Leitungsaufgaben sind die Fachkräfte, die weder im ersten noch im zweiten Arbeitsbereich für Leitungstätigkeiten, sondern für einen anderen Bereich zuständig sind. Erst ab 2011 erfolgte in der amtlichen Statistik eine Abfrage des ersten und zweiten Arbeitsbereichs, so dass eine Analyse der zeitlichen Entwicklung dieses Indikators erst ab 2011 möglich ist.

Die Qualifikationsniveaus der pädagogisch Tätigen werden in der vorliegenden Auswertung aus methodischen Gründen nur zu drei Gruppen zusammengefasst. Die Zuordnung von Berufsabschlüssen zu den fachlich einschlägigen Hochschulabschlüssen und den fachlich einschlägigen Fachschulabschlüssen ist beim Indikator „Qualifikation des pädagogischen Personals“ erläutert. Zu berücksichtigen ist, dass in der Gruppe der Personen mit sonstigen Abschlüssen sowohl Personen ohne Ausbildungsabschluss als auch Personen mit einem Berufsfachschulabschluss und beispielsweise mit einem Hochschulabschluss, der nicht fachlich einschlägig ist, zusammengefasst werden müssen. Wäre diese Zusammenfassung nicht vorgenommen worden, hätte in vielen Fällen aus Gründen des Datenschutzes kein Wert ausgewiesen werden können.

Aus Datenschutzgründen mussten 2016 für Bremen die Kategorien „überwiegend“ und „nachrangig“ und für das Saarland die Kategorien „vollständig“, „überwiegend“ und „nachrangig“ Leitungsfreistellung zusammengefasst werden. Für 2017 wurden für das Saarland und Schleswig-Holstein die Kategorien überwiegende und nachrangige Leitungsressourcen und für Bremen die Kategorien vollständige, überwiegende und nachrangige Leitungsressourcen zusammengefasst.   

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. 

Literatur
Beher, Karin/Walter, Michael (2012): Qualifikationen und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte. Bundesweite Befragung von Einrichtungsleitungen und Fachkräften in Kindertageseinrichtungen: Zehn Fragen - Zehn Antworten. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. WiFF Studien, Band 15. München. [Download von: www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/media/Studie_BeherWalter.pdf (27.04.2015)]

Strehmel, Petra (2015): Leitungsfunktion in Kindertageseinrichtungen. Aufgabenprofile, notwendige Qualifikationen und Zeitkontingente, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.

Strehmel, Petra/Ulber, Daniela (2014): Leitung von Kindertageseinrichtungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 39. München.

Viernickel, Susanne/Nentwig-Gesemann, Iris/Nicolai, Katharina/Schwarz, Stefanie/Zenker, Luise (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung – Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Hrsg. Der Paritätische Gesamtverband, Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Berlin.