KiTas ohne Zeit für Leitung nach KiTa-Größe{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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KiTa-Leitungskräfte haben eine zentrale Bedeutung für eine „gute“ Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungspraxis in ihren Einrichtungen: Als Vermittler zwischen dem Träger, den pädagogischen Fachkräften und den Eltern kommt ihnen eine Schlüsselfunktion für die Qualitätsentwicklung und -sicherung zu (vgl. Strehmel 2015: 150 ff.; Strehmel/Ulber 2014: 10ff.; Viernickel u. a. 2013). Dabei sind sie mit komplexen und vielfältigen Aufgaben betraut, das die pädagogische Leitung, Organisations- und Qualitätsentwicklung, Konzeptionsentwicklung, Personalführung und -entwicklung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit Eltern sowie mit dem Träger und das Selbstmanagement umfasst. Angesichts dieser hohen Bedeutung ist das Thema KiTa-Leitung und die angemessene Ausstattung der KiTas mit zeitlichen Leitungsressourcen in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Debatte um die qualitative Weiterentwicklung der Angebote der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung gerückt.

Anhand des vorliegenden Indikators wird dargestellt, wie hoch in den einzelnen Bundesländern der Anteil der KiTas ist, in denen laut Angaben der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik keinerlei zeitliche Ressourcen für die Ausübung von Leitungsaufgaben zur Verfügung stehen nach Anzahl der betreuten Kinder (s. methodische Hinweise). Die Personalkapazitäten für das Führen und Leiten von KiTas sind von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich. 2016 verfügen 12,6% der KiTas in Deutschland über keine Personalkapazitäten für die verantwortungsvolle Position der KiTa-Leitung. Dieser Anteil schwankt zwischen 0,9 % in Thüringen – dies sind gerade einmal 12 KiTas – und einem Anteil von 30,6 % in Bremen.

Fehlende vertraglich vereinbarte Zeitressourcen für die Führung und Leitung einer KiTa sind vor allem ein Problem der kleinen Einrichtungen: Fast ein Viertel der kleinen KiTas (weniger als 45 Kinder) muss ohne Personalressourcen auskommen, die für den Arbeitsbereich Leitung genutzt werden können (23 %). Bei den großen KiTas (76 und mehr Kinder) sind es dagegen nur 4 %. Auch hier sind große Unterschiede zwischen den Bundesländern zu verzeichnen: In Bremen arbeiten 57,2 % der kleinen KiTas ohne vertraglich festgelegte Leitungsressourcen; in Thüringen und Sachsen-Anhalt kommt dies demgegenüber kaum vor (1,7 % bzw. 2,7 %). Kaum Unterschiede beim Anteil der KiTas ohne Leitungszeit nach KiTa-Größe liegen in Sachsen-Anhalt vor (kleine KiTas: 2,7 % bzw. große KiTas: 1,3 %). Demgegenüber treten diesbezügliche sehr große Unterschiede in Bremen (kleine KiTas: 57,2 % bzw. mittlere/große KiTas: 2,8 %) sowie in Berlin (kleine KiTas: 42,7 % bzw. große KiTas: 2,8 %) auf.

Hinsichtlich der Ursachen dieser schwankenden Anteile gibt es bislang noch keine abschließenden Erklärungen. Die Daten lassen zunächst vermuten, dass einer der Gründe in der landesseitigen Steuerung der zur Verfügung stehenden zeitlichen Leitungsressourcen liegt. Diese Gründe gilt es differenzierter in den Fokus von Analysen zu stellen. Zudem gilt es zu klären, welche Auswirkungen auf institutioneller aber auch auf professioneller Ebene bestehen, wenn eine Person zwar Leitungsaufgaben wahrnimmt, dafür jedoch offiziell keinerlei Ressourcen zur Verfügung hat und mithin ein Teil der Anerkennung bzw. des Status fehlt.

Die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik erfasst seit 2011 die „vereinbarten Wochenstunden" der Pädagoginnen in maximal zwei Arbeitsbereichen in KiTas; zu den Arbeitsbereichen zählt auch die Einrichtungsleitung. Auf diese Weise können Fachkräfte identifiziert werden, die laut Vertrag ausschließlich Zeit für Leitungsaufgaben zur Verfügung haben und somit auch die Anzahl der KiTas, in denen laut Vertrag keine Person zeitliche Leitungsressourcen besitzt.

Für die Einteilung der KiTas nach Größe wurden alle KiTas anhand der Anzahl der betreuten Kinder in der Einrichtung in möglichst drei gleich große Gruppen verteilt. In kleinen KiTas werden weniger als 45 Kinder betreut, in mittleren KiTas 45 bis 75 Kinder und in großen KiTas 76 und mehr Kinder.

Für 2016 mussten aus Datenschutzgründen für Bremen und Thüringen die Kategorie "groß" der Einrichtungsgröße "mittel" zugeordnet werden. Somit ergibt sich für Ostdeutschland, dass die Kategorie "mittel" inklusive der großen Einrichtungen und die Kategorie "groß" exklusive der großen Einrichtungen aus Thüringen dargestellt wird. Und für Westdeutschland, dass die Kategorie "mittel" inklusive der großen Einrichtungen und die Kategorie "groß" exklusive der großen Einrichtungen aus Bremen dargestellt wird. Für Gesamtdeutschland enthält die Kategorie "groß" also nicht die „großen“ Einrichtungen aus Thüringen und Bremen. Diese wurden der Kategorie "mittel" zugeordnet.

Quelle
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur
Strehmel, Petra (2015): Leitungsfunktion in Kindertageseinrichtungen. Aufgabenprofile, notwendige Qualifikationen und Zeitkontingente, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.

Strehmel, Petra/Ulber, Daniela (2014): Leitung von Kindertageseinrichtungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 39. München.

Viernickel, Susanne/Nentwig-Gesemann, Iris/Nicolai, Katharina/Schwarz, Stefanie/Zenker, Luise (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Berlin.