Alter des Leitungspersonals{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Die KiTa-Leitungskräfte haben eine zentrale Bedeutung für eine „gute“ Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungspraxis in ihren Einrichtungen: Als Vermittler zwischen dem Träger, den pädagogischen Fachkräften und den Eltern kommt ihnen eine Schlüsselfunktion für die Qualitätsentwicklung und -sicherung zu (vgl. Strehmel 2015: 150 ff.; Strehmel/Ulber 2014: 10ff.; Viernickel u. a. 2013). Dabei sind sie mit einem komplexen und vielfältigen Aufgabenfeld betraut, das die pädagogische Leitung, Organisations- und Qualitätsentwicklung, Konzeptionsentwicklung, Personalführung und -entwicklung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit den Eltern sowie dem Träger und das Selbstmanagement umfasst. Bislang ist die Leitung von KiTas wenig in der fachpolitischen Debatte thematisiert worden und stellt auch im wissenschaftlichen Diskurs eher ein Randthema dar. Dazu gehört auch die Frage, wie alt Leitungskräfte je nach Leitungsprofil sind. Dieser Frage kann mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik nachgegangen werden (s. methodische Hinweise). Unter Leitungsprofil wird hier verstanden, ob die Leitungskraft über vollständige zeitliche Leitungsressourcen verfügt, also ausschließlich als Leitungskraft arbeitet, oder ob sie über anteilige zeitliche Leitungsressourcen verfügt, also neben ihrer Leitungsfunktion noch in einem anderen Arbeitsbereich in der KiTa tätig ist. 

Es zeigt sich, dass KiTa-Leitungskräfte mit vollständigen oder anteiligen zeitlichen Leitungsressourcen im Durchschnitt ein höheres Alter aufweisen als pädagogisch Tätige ohne zeitliche Leitungsressourcen. Leitungskräfte, die 2017 über vollständige zeitliche Leitungsressourcen verfügen, sind durchschnittlich 48,7 Jahre, diejenigen mit überwiegend zeitlichen Leitungsressourcen 47,9 Jahre bzw. die mit nachrangig zeitlichen Leitungsressourcen 46,7 Jahre. Personen, die laut Vertrag weder im ersten noch im zweiten Arbeitsbereich als Leitungskraft arbeiten, sind mit durchschnittlich 39,6 Jahren deutlich jünger.  Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass hier ein gewisses Karrieremuster vorzufinden ist. Es kann vermutet werden, dass im Trend die Übernahme von Leitungsaufgaben erst nach einigen Jahren der Berufserfahrung vorgenommen wird. Zu prüfen wird sein, welche Auswirkungen die Bemühungen um die Akademisierung des Arbeitsfeldes haben. Wenn beispielsweise zukünftig ein grundständiges kindheitspädagogisches Studium den direkten Einstieg in die Leitungsfunktion ermöglicht, würde sich dies an einem Absinken des Durchschnittsalters zeigen. Perspektivisch gilt zu analysieren, wie sich das Verhältnis von Qualifikation und Berufserfahrung als Zugangskriterium für Leitungsaufgaben (neu) austariert.

Die Unterschiede beim Alter der Leitungskräfte je nach Leitungsprofil setzen sich auf Ebene der Bundesländer fort, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Während die Leitungskräfte mit vollständigen zeitlichen Ressourcen in Brandenburg mit im Durchschnitt 50,4 Jahren am ältesten sind, sind sie in Bayern mit 45,8 Jahren am jüngsten. Die ältesten pädagogisch Tätigen, die laut Vertrag weder im ersten noch im zweiten Arbeitsbereich als Leitungskraft arbeiten, gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit 43,1 Jahren, die jüngsten ebenfalls in Bayern mit 37,3 Jahren. Die größte Differenz zwischen dem Alter der Leitungskräfte mit vollständigen zeitlichen Leitungsressourcen und dem Alter der pädagogisch Tätigen, die laut Vertrag weder im ersten noch im zweiten Arbeitsbereich als Leitungskraft arbeiten, besteht in Bremen mit einem Unterschied von 10,6 Jahren. Die geringste Differenz liegt mit 4,6 Jahren zwischen den Personengruppen in Sachsen vor.

Unabhängig von den zur Verfügung stehenden zeitlichen Leitungsressourcen sind die pädagogisch Tätigen in den ostdeutschen Bundesländern generell älter als ihre westdeutschen Kolleginnen und Kollegen: Während in Westdeutschland in Bayern die im Durchschnitt jüngsten KiTa-Beschäftigten arbeiten (38,2 Jahre) und in Schleswig-Holstein die ältesten (40,9 Jahre), so sind die jüngsten pädagogisch Tätigen in Ostdeutschland in Berlin (41,1 Jahre) sowie die ältesten in Sachsen-Anhalt (43,8 Jahre) zu finden. Die im Durchschnitt jüngsten ostdeutschen KiTa-Beschäftigten (Berlin mit 41,1 Jahren) sind somit noch älter als die ältesten pädagogisch Tätigen in einem westdeutschen Bundesland (Schleswig-Holstein mit 40,9 Jahren).   Weitere Auswertungen zur Altersstruktur der KiTa-Beschäftigten sind zu finden bei dem Indikator „

Altersstruktur“.

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden die folgenden Arbeitsbereiche des Personals in KiTas sowie die für diese Bereiche vertraglich vereinbarten Wochenstunden erfasst: Gruppenleitung, Zweit- und Ergänzungskraft, gruppenübergreifend tätig, Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung, Leitung und Verwaltung. In der vorliegenden Auswertung werden die Personen, die ausschließlich Leitung als Arbeitsbereich angegeben haben, als Leitungskräfte mit vollständig zeitlichen Leitungsressourcen erfasst. Personen, die sich laut Vertrag nur für einen Teil ihrer Arbeitszeit Leitungstätigkeiten widmen, fallen unter Leitungskräfte mit überwiegend oder nachrangig zeitlichen Leitungsressourcen. Überwiegend bedeutet, dass sie 50 % und mehr ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben zuständig sind. Nachrangig bedeutet, dass diese Personen weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit für Leitungstätigkeiten zur Verfügung stehen haben. Ohne Leitungsaufgaben sind die Fachkräfte, die weder im ersten noch im zweiten Arbeitsbereich für Leitungstätigkeiten, sondern für einen anderen Bereich zuständig sind. Erst ab 2011 erfolgte in der amtlichen Statistik eine Abfrage des ersten und zweiten Arbeitsbereichs, so dass eine Analyse der zeitlichen Entwicklung dieses Indikators erst ab 2011 möglich ist.

Bei der Analyse des durchschnittlichen Alters nach Leitungsprofil der pädagogisch Tätigen in KiTas wird der Mittelwert verwendet.

Aus Datenschutzgründen mussten 2016 folgende Zusammenfassungen vorgenommen werden:

-        Tätige mit nachrangig zeitlichen Leitungsressourcen: Inklusive der Tätigen mit überwiegend zeitlichen Leitungsressourcen aus Bremen und inklusive der Tätigen mit vollständig und überwiegend zeitlichen Leitungsressourcen aus dem Saarland.

-        Für die bundesweiten Daten gilt: Die Kategorie "Tätige mit vollständig zeitlichen Leitungsressourcen" ohne die Tätigen mit vollständigen zeitlichen Leitungsressourcen des Saarlands. Die Kategorie "Tätige mit nachrangig zeitlichen Leitungsressourcen" inklusive der Tätigen mit vollständig und überwiegend zeitlichen Leitungsressourcen des Saarlands und den Tätigen mit überwiegend zeitlichen Leitungsressourcen aus Bremen.

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. 

Literatur
Strehmel, Petra (2015): Leitungsfunktion in Kindertageseinrichtungen. Aufgabenprofile, notwendige Qualifikationen und Zeitkontingente, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.

Strehmel, Petra/Ulber, Daniela (2014): Leitung von Kindertageseinrichtungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 39. München.

Viernickel, Susanne/Nentwig-Gesemann, Iris/Nicolai, Katharina/Schwarz, Stefanie/Zenker, Luise (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Berlin.