Öffnungszeiten von KiTas

Veränderungen in der Arbeitswelt, wie zum Beispiel die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten sowie die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere von Müttern, führen unter anderem zu einer höheren Nachfrage nach öffentlichen Betreuungsangeboten und nach flexibleren Betreuungszeiten, was mit einer erhöhten Bedeutsamkeit öffentlicher Bildung und Erziehung einhergeht (vgl. Viernickel/Fuchs-Rechlin 2015). Auch Stahl und Schober (2016) legen mit ihren Ergebnissen nahe, dass der Ausbau eines ganztägigen Kindertagesbetreuungsangebotes zu mehr wahrgenommener Zufriedenheit bei den Müttern führt. Flexible Betreuungszeiten können individuelle, am Bedarf der Familien orientierte, Betreuungsverträge bedeuten, Kooperationen und Vernetzungen mit externen Fachdiensten, eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf atypische Wochentage, die Buchung von Betreuungsbausteinen und Kernzeitmodellen, die partielle und unregelmäßige Nutzung der Öffnungszeiten einer Einrichtung oder Platz-Sharing (vgl. z.B. Klinkhammer 2008/2007; Schäfer 2015). Dabei sind bedarfsgerechte zeitliche Betreuungsumfänge jedoch stets vor dem Hintergrund der Sicherstellung des Wohls des Kindes und der Befriedigung seiner Bedürfnisse, insbesondere im Sinne einer Sicherstellung an Kontinuität und Stabilität in den Erzieher*innen-Kind-Beziehungen, zu gewährleisten (zur Debatte „flexible bedarfsorientierte Betreuungszeiten“ vgl. z.B. DGfZP; Esch/Klaudy/Stöbe-Blossey 2005; Fuchs-Rechlin 2011; Klinkhammer 2008/2007; Schäfer 2015; Zimmer/Rüttgers 2014).

Zu welchen Zeiten Kindertageseinrichtungen in Deutschland öffnen und schließen kann seit 2012 anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik beantwortet werden (s. methodische Hinweise). 

Zum 01.03.2019 öffnen bundesweit über zwei Drittel der KiTas zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr, weitere 20,4 % vor 7:00 Uhr und 9,8 % nach 7:30 Uhr. Das Ende der Öffnungszeiten liegt ebenfalls bei zwei Drittel der KiTas zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr (66,4 %). 32,4 % schließen vor 16:30 Uhr und nur 1,1 % nach 18:00 Uhr. Ostdeutsche KiTas öffnen früher und schließen später ihre Türen als westdeutsche KiTas: So liegt bei 79,2 % der ostdeutschen KiTas der Beginn der Öffnungszeiten vor 7:00 Uhr, dieser Anteil beläuft sich in Westdeutschland nur auf 5,1 %. Hier öffnen die meisten KiTas (84,4 %) zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr. Die meisten der ostdeutschen KiTas schließen zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr (93,2 %), dies trifft in Westdeutschland nur auf 59,5 % zu. Darüber hinaus schließt hier der Großteil der KiTas bereits vor 16:30 Uhr (39,6 %). Eine Öffnungsdauer mit Beginn nach 7:30 Uhr und Ende vor 16:30 Uhr kommt in Westdeutschland häufiger vor (5,8 % %) als in Ostdeutschland (2,1 %).

Die genannten Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland setzen sich auf Ebene der Bundesländer noch stärker fort. Während in Sachsen-Anhalt 96,3 % der KiTas vor 7:00 Uhr öffnen, so trifft dies nur auf 2,4 % der KiTas in Hessen zu. Hamburg kommt hier als einziges westdeutsches Bundesland auf einen relativ hohen Anteil (32,6 %), alle anderen westdeutschen Bundesländer liegen unter 10 %. Später als 7:30 Uhr öffnen fast ein Drittel der KiTas in Bremen (31,3 %), in Thüringen sind es nur 0,2 %.

Vor 16:30 Uhr schließen in Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein etwas mehr als die Hälfte aller KiTas, während es in Mecklenburg-Vorpommern nur 1 % der KiTas sind. Ein Ende der Öffnungszeiten zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr erfolgt in 41,4 % der KiTas in Bremen und 96,9 % der KiTas in Sachsen-Anhalt. Den höchsten Anteil an KiTas, die nach 18:00 Uhr schließen, wird in Hamburg erreicht (6,1 %). 

Eine Öffnung nach 7:30 Uhr und eine Schließung vor 16:30 Uhr, also eine Öffnungsdauer von weniger als neun Stunden, kommt insbesondere in Bremen vor (26 %) und am seltensten in Thüringen (0,2 %).

Seit dem Erhebungsjahr 2012 werden im Rahmen der amtlichen Statistik zu Kindern und tätigen Personen in Tageseinrichtungen die Öffnungs- und Schließungszeiten von Kindertageseinrichtungen erfasst. Mit Hilfe einer „Ja/Nein“-Abfrage wird erhoben, ob die Einrichtung an den meisten Wochentagen genau um 7.30 Uhr oder früher öffnet. Nur falls dies zutrifft, müssen die KiTas ihre exakte Öffnungszeit angeben. Ebenso wird anhand einer „Ja/Nein“-Abfrage erfasst, ob die KiTa an den meisten Wochentagen genau um 16.30 Uhr oder später schließt. Auch hier müssen nur die KiTas, auf die dieses zutrifft, angeben, zu welchem Zeitpunkt sie genau schließen. Auf diese Weise kann mit Hilfe der amtlichen Statistik nur von den KiTas die genaue Zeitangabe der Öffnungsdauer erfasst werden, die 7.30 Uhr oder früher öffnen und 16.30 Uhr oder später schließen.

Seit dem Erhebungsjahr 2019 werden im Rahmen der amtlichen Statistik zu Kindern und tätigen Personen in Tageseinrichtungen die genauen Öffnungs- und Schließungszeiten mit Stunden- und Minutenangaben von Kindertageseinrichtungen erfasst, sodass ab dem Datenjahr 2019 zusätzlich auch die durchschnittliche Öffnungsdauer ausgewiesen werden kann.

Quelle

Daten ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Daten bis 2017:
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur
[DGfZP] Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik (2013): Kinderbetreuung rund um die Uhr. Zeitpolitisches Magazin, Dezember 2013, Jahrgang 10, Ausgabe 23.

Esch, Karin/Klaudy, Elke Katharina/Stöbe-Blossey, Sybille (2005): Bedarfsorientierte Kinderbetreuung. Gestaltungsfelder für die Kinder- und Jugendpolitik.  VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden.

Fuchs-Rechlin, Kirsten (2011): Die flexible KiTa – Pluralisierte Elternwünsche, institutionelle Erfordernisse und pädagogische Grenzziehungen, in: KomDat Jugendhilfe, H. 1&2/2011, S. 16-18.

Klinkhammer, Nicole (2008): Flexible und erweiterte Angebote in der Kinderbetreuung. Entwicklungstrends – Ansätze – Kontroversen. Zusammenfassung einer Recherche. Deutsches Jugendinstitut. München.

Klinkhammer, Nicole (2007): Flexibilität ermöglichen, Qualität sichern: Herausforderungen für die Veränderungen in der zeitlichen Angebotsstruktur von Kindertageseinrichtungen, in: Altgeld, Karin/Klaudy, Elke Katharina/Stöbe-Blossey, Sybille (Hrsg.): Flexible Kinderbetreuung – online Handbuch.

Schäfer, Britta (2015): Flexible Betreuungsangebote und das Wohlbefinden von Kindern: Ein Spannungsverhältnis? Erfahrungen und Erkenntnisse aus der internationalen Forschung. Arbeitspapier. Deutsches Jugendinstitut. München. (WWW-Dokument: http://www.fruehe-chancen.de/fileadmin/PDF/Archiv/Arbeitspapier_Flexible_Betreuungsangebote_und_das_Wohlbefinden_von_Kindern.pdf).

Stahl, Juliane/Schober, Pia (2016): Ausbau der ganztägigen Kindertagesbetreuung kann zur Zufriedenheit von Müttern beitragen, in: DIW-Wochenbericht, 83(37), S. 840-847.

Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten (2015): Fachkraft-Kind-Relationen und Gruppengrößen in Kindertageseinrichtungen. Grundlagen, Analysen, Berechnungsmodell, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.

Zimmer, Marco/Rüttgers, Christian (2014): Betreuungszeit als Hauptproblem – Ergebnisse einer Elternbefragung zur frühkindlichen Betreuung seit dem 1. August 2013, in: Zimmer, Marco/Rüttgers, Christian (Hrsg.): Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz – ein Jahr danach. Münster/New York. Waxmann, S. 11-47.