Gruppengröße im Vergleich

Neben dem Personalschlüssel in KiTas zählt auch die Gruppengröße zu den Strukturqualitätsmerkmalen von KiTas. Diese Merkmale weisen besonders sichere Zusammenhänge mit der Qualität pädagogischer Prozesse und der kindlichen Entwicklung auf (vgl. zum Forschungsstand Viernickel/Fuchs-Rechlin 2015). So belegen internationale Studien positive Zusammenhänge zwischen kleinen Gruppen und besserer Prozessqualität, kindlichem Verhalten und kindlicher Entwicklung (vgl. ebd.). Darüber hinaus stellen unzureichende strukturelle Rahmenbedingungen, wie beispielsweise zu große Gruppen, für pädagogische Fachkräfte häufig eine Belastungsquelle dar (vgl. Viernickel/Voß 2013). Zu große Gruppen bedeuten für die Kinder und das Fachpersonal übermäßigen Stress, etwa durch Lautstärke, und führen dazu, dass entwicklungsangemessene Aktivitäten nicht ausreichend durchgeführt werden können (vgl. Viernickel/Fuchs-Rechlin 2015). Laut einer Zusammenstellung diverser Empfehlungen und Forderungen für Gruppengrößen in KiTas sollen in Krippengruppen bzw. in Krippengruppen, in denen auch Dreijährige betreut werden, in etwa zwischen 6 und 12 Kinder pro Gruppe betreut werden. In den Kindergartengruppen (Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt) sowie in den bereits für ab Zweijährige geöffneten Kindergartengruppen sollen es zwischen 14 und 18 Kinder pro Gruppe und in altersübergreifenden Gruppen zwischen 10 und 18 Kinder sein (vgl. ebd.: 49). Wie viele Kinder pro Gruppe in den KiTas mit Gruppenstruktur im Durchschnitt betreut werden, lässt sich anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik analysieren (s. methodische Hinweise). Bei dem vorliegenden Indikator wird ausgewertet, wie viele Gruppen den genannten Empfehlungen bzw. Forderungen entsprechen. 

Bei dem vorliegenden Indikator wird abgebildet, wie viele Gruppen den jeweiligen Empfehlungen zur Gruppengröße entsprechen bzw. günstiger oder ungünstiger ausfallen. So werden bundesweit in den Krippengruppen (72,8 %), den auch für Dreijährige geöffneten Krippengruppen (59,1 %) und den altersübergreifenden Gruppen (60,0 %) zu überwiegenden Anteilen jeweils die Empfehlungen erreicht. Jeweils unter 5 % der drei angesprochenen Gruppentypen weisen eine angemessenere, d.h. kleinere, Gruppengröße auf als empfohlen wird und knapp ein Viertel der Krippengruppen (23,1 %), 40,0 % der auch für Dreijährige geöffneten Krippengruppen und etwas über ein Drittel der altersübergreifenden Gruppen weisen eine nicht kindgerechte, d.h. größere, Gruppengröße auf als empfohlen wird. Bei den ab dreijährigen Kindern geöffneten Kindergartengruppen entsprechen deutschlandweit über zwei Drittel der Gruppen (67,1 %) nicht der empfohlenen Gruppengröße, diese trifft nur auf 22,0 % der Gruppen zu und in 10,9 % ist eine kleinere Gruppengröße festzustellen. Ähnliche Tendenzen zeigen sich bei den ab zweijährigen Kindern geöffneten Kindergartengruppen: Hier weisen knapp drei Viertel der Gruppen (83,1 %) eine größere Gruppengröße auf als empfohlen wird und 16,9 % entsprechen den Empfehlungen.

Zwischen den Bundesländern lassen sich große Spannweiten bezüglich der Empfehlungen feststellen: So gibt es in Baden-Württemberg nur einen sehr geringen Anteil an Krippengruppen, deren Gruppengröße die Empfehlung überschreitet (0,6 %). Anders gestaltet es sich in Niedersachsen: Hier werden in 60,0 % der Krippengruppen mehr Kinder pro Gruppe betreut als empfohlen wird. Werden die Unterschiede zwischen den Bundesländern in den klassischen Kindergartengruppen betrachtet, ist festzustellen, dass in Mecklenburg-Vorpommern als einzigem Bundesland der Anteil an Gruppen mit einer Gruppengröße von mehr als 18 Kindern bei unter 10 % liegt (8,9 %). In allen anderen Bundesländern liegen die Anteile deutlich höher, und zwar zwischen 16,1 % in Berlin und 90,1 % in Nordrhein-Westfalen.

Wie viel Prozent der KiTa-Kinder im Alter von unter drei Jahren bzw. ab drei Jahren in den verschiedenen Gruppentypen betreut werden, kann dem Indikator „Gruppentypen“ entnommen werden.

Die Zuordnung von Gruppen in KiTas zu einem bestimmten Gruppentyp wird nicht von den Einrichtungen selbst vorgenommen, sondern erfolgt im Rahmen der Auswertung der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Dabei erfolgt die Zuordnung primär anhand der Alterszusammensetzung der Kinder in der Gruppe. Allerdings findet in bestimmten Fällen auch die Größe der Gruppe Berücksichtigung.

Folgende Gruppentypen mit folgenden Merkmalen wurden anhand der Angaben in der Kinder- und Jugendhilfestatistik gebildet:

• "Krippengruppen": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich Kinder unter drei Jahren sind.
• "Für Zweijährige geöffnete Kindergartengruppen": Dies sind Gruppen mit 15 und mehr Kindern, in denen neben ab dreijährigen Kindern bis zum Schulbesuch auch bis zu fünf zweijährige Kinder betreut werden.
• "Gruppen mit Kindern unter vier Jahren": Dies sind alle Gruppen, die nicht den Krippengruppen zugeordnet sind und in denen ausschließlich unter vierjährige Kinder sind. Bis 2011 ist dieser Gruppentyp in den altersübergreifenden Gruppen enthalten.
• "altersübergreifende Gruppen": Hierunter fallen diejenigen Gruppen, die nicht den vorangegangenen Gruppentypen zugeordnet wurden. Diese Gruppe setzt sich aus altersgruppenübergreifenden Gruppen mit Kindern von 0 Jahren bis zum Schuleintritt und altersgruppenübergreifenden Gruppen mit Schulkindern zusammen. Sprachlich exakt müsste diese Gruppenform „altersgruppenübergreifende Gruppen“ heißen. Unberücksichtigt bleiben Gruppen, in denen nur Schulkinder sind.
• "Kindergartengruppen": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich ab drei Jährige bis zum Schuleintritt sind.

Kategorisierung unabhängig von landesrechtlichen Regelungen

Zu berücksichtigen ist, dass es für den hier vorgenommenen Bundesländervergleich einerseits notwendig ist, solche Gruppendefinitionen vorzunehmen, diese Gruppendefinitionen aber andererseits nicht zwangsläufig mit landesrechtlichen Vorgaben für bestimmte Gruppenarten übereinstimmen müssen. Es ist durchaus möglich, dass es Bundesländer gibt, die in ihren landesrechtlichen Bestimmungen hinsichtlich der Altersstruktur und Größe von Gruppen andere rechtliche Rahmenbedingungen setzen. Auch die Bezeichnung von Gruppentypen (z. B. ‚Kindergartengruppe‘) muss nicht unbedingt mit Bezeichnungen in landesrechtlichen Vorgaben übereinstimmen. Zu beobachten ist auch, dass im Landesrecht zunehmend auf solche Bezeichnungen verzichtet wird und die Beschreibung von unterschiedlichen Gruppen ausschließlich über Vorgaben erfolgt, beispielsweise indem maximale Gruppengrößen bzw. Vorgaben hinsichtlich der Alterszusammensetzung der Kinder in den Gruppen formuliert werden.

Empirisch ist über die letzten Jahre zu beobachten, dass zum einen der ganz überwiegende Anteil von Kindern in KiTas weiterhin in Gruppen betreut wird und die hier vorgenommenen Gruppendefinitionen außerdem eine hohe empirische Entsprechung haben.

Für die verschiedenen gebildeten Gruppentypen wurde analysiert, wie viele Kinder pro Gruppe im Durchschnitt betreut werden. Anschließend wurde ausgewertet, wie viele Gruppen den Empfehlungen und Forderungen für Gruppengrößen entsprechen. 

Quelle

Daten ab 2019:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2019; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Literatur
Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten (2015): Fachkraft-Kind-Relationen und Gruppengrößen in Kindertageseinrichtungen. Grundlagen, Analysen, Berechnungsmodell, in: Viernickel, Susanne/Kirsten Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele: Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 11–130.

Viernickel, Susanne/Voss, Anja (2013): STEGE. Strukturqualität und Erzieher_innengesundheit in Kindertageseinrichtungen. Wissenschaftlicher Abschlussbericht. Berlin.