Befristete Arbeitsverhältnisse nach Qualifikation{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Vor dem Hintergrund des regionalspezifischen Fachkräftebedarfs sowie der sich daraus ergebenden Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung zu gewinnen und zu binden, können „attraktive“ Beschäftigungsbedingungen von enormer Bedeutung sein (vgl. Arbeitsgruppe Fachkräftegewinnung für die Kindertagesbetreuung 2014). Ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis kann ein solches Merkmal sein. Darüber hinaus ist genauer zu prüfen, ob befristete Arbeitsverträge auch Auswirkungen auf die Prozessqualität der pädagogischen Arbeit haben. Das Merkmal Befristung wurde in der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik mit dem Erhebungsstichtag 01.03.2014 erstmals seit 2002 wieder erfasst (s. methodische Hinweise). Es zeigt sich, dass pädagogisch tätige Personen in der KiTa je nach Qualifikation unterschiedlich stark von Befristung betroffen sind.

Insbesondere die pädagogisch Tätigen, die nicht fachlich einschlägig qualifiziert sind oder gar keinen Abschluss besitzen, sind häufiger befristet angestellt als Fachkräfte mit einer fachlich einschlägigen Qualifikation. So kommt das Personal mit sonstigen Ausbildungsabschlüssen oder ohne Abschluss bundesweit auf einen überdurchschnittlichen Befristungsanteil von 35,1 %. Es gilt jedoch nicht, dass, je höher das Qualifikationsniveau ist, desto geringer das Befristungsrisiko: Pädagogisch Tätige mit einem fachlich einschlägigen Hochschulabschluss sind immerhin zu 15,3 % befristet beschäftigt, während das bei Personen mit einem fachlich einschlägigen Berufsfachschulabschluss in 19,5 % und bei solchen mit einem fachlich einschlägigen Fachschulabschluss in 13 % der Fall ist.  Erzieherinnen, Heilpädagoginnen und Heilerzieherinnen bzw. Heilerziehungspflegerinnen sind demnach dem geringsten Befristungsrisiko ausgesetzt. Eine Erklärung dafür mag sein, dass aufgrund der erst in den vergangenen Jahren einsetzenden Professionalisierung und Akademisierung des Arbeitsfeldes KiTas (vgl. z. B. Autorengruppe Fachkräftebarometer 2014; Balluseck 2008; Züchner u. a. 2014) pädagogisch Tätige mit einem Hochschulabschluss im Durchschnitt jünger sind als zum Beispiel Fachkräfte mit einem fachlich einschlägigen Fachschulabschluss und jüngere Beschäftigte von einem deutlich höheren Befristungsrisiko betroffen sind als ihre älteren Kolleginnen (s. Indikator „Befristete Arbeitsverhältnisse nach Alter“).

Die bundesweite Situation setzt sich auf Bundeslandebene fort, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaße und mit einigen wenigen Ausnahmen: In der Mehrheit der Bundesländer weisen pädagogisch Tätige mit einem Fachschulabschluss im Vergleich zu den anderen Qualifikationsniveaus das geringste Befristungsrisiko auf, so variieren hier die Anteile zwischen den Bundesländern auf einem geringen Niveau, und zwar von 6,4 % in Mecklenburg-Vorpommern bis 18,5 % in Nordrhein-Westfalen. Ausnahmen zeigen sich in den norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Bayern und das Saarland: Hier sind es die Fachkräfte mit einem Hochschulabschluss, die am seltensten befristet tätig sind. Den höchsten Befristungsanteil weist in der Mehrheit der Bundesländer, wie im bundesweiten Durchschnitt, das Personal mit sonstigen Ausbildungsabschlüssen oder ohne Abschluss auf. Dies trifft insbesondere auf Berlin mit 57,1 % zu. Es gibt jedoch auch Bundesländer, in denen das höhere Befristungsrisiko eher Fachkräfte mit Berufsfachschulabschluss betrifft. Dazu gehören Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Befristungsquote der Beschäftigten mit Berufsfachschulabschluss in Sachsen-Anhalt mit 46 % besonders hoch ist. 

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird mit dem Erhebungsjahr 2014 erstmals wieder das Merkmal der Befristung erfasst. Bei der vorliegenden Auswertung werden diejenigen tätigen Personen berücksichtigt, die im ersten Arbeitsbereich pädagogisch tätig sind (ohne Verwaltungstätige sowie Tätige im hauswirtschaftlichen und technischen Bereich) und als Angestellte, Arbeiterinnen oder Beamte beschäftigt sind. Unberücksichtigt bleiben Personen, die sich in Ausbildung, Praktikum, freiwilligen sozialen Jahr oder einer sonstigen Stellung, wie beispielsweise Ordensangehörigkeit befinden. Dadurch ergeben sich Abweichungen zu anderen Auswertungen, die alle pädagogisch Tätigen einbeziehen.
Ebenso werden im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik die Berufsausbildungsabschlüsse der pädagogisch Tätigen in KiTas erfasst. Diese wurden in der vorliegenden Auswertung zu den folgenden Qualifikationsniveaus zusammengefasst:

  • (Einschlägiger) Hochschulabschluss: Dipl.-Sozialpädagoge/-pädagogin oder Dipl.-Sozialarbeiter/-in oder Dipl.-Heilpädagoge/-pädagogin (FH oder vergleichbarer Abschluss), Dipl.-Pädagoge/-Pädagogin oder Dipl.-Erziehungswissenschaftler/-in oder Dipl.-Sozialpädagoge/-pädagogin (Universität oder vergleichbarer Abschluss), staatlich anerkannter Kindheitspädagoge/staatlich anerkannte Kindheitspädagogin (Bachelor- oder Masterabschluss; Erfassung erst ab 2012)
  • (Einschlägiger) Fachschulabschluss: Erzieher/-in, Heilpädagoge/-pädagogin (Fachschule), Heilerzieher/-in, Heilerziehungspfleger/-in
  • (Einschlägiger) Berufsfachschulabschluss: Kinderpfleger/-in, Familienpfleger/-in, Assistent/-in im Sozialwesen, soziale und medizinische Helferberufe
  • Sonstige Ausbildungen/Ohne Abschluss: Sonstige soziale/sozialpädagogische Kurzausbildung, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in, Psychologischer Psychotherapeut/Psychologische Psychotherapeutin, Psychologe/Psychologin mit Hochschulabschluss, Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut/-in (Ergotherapeut/-in), Bewegungspädagoge/-pädagogin, Bewegungstherapeut/-in (Motopäde/Motopädin), Arzt/Ärztin, (Fach-)Kinderkrankenschwester/-pfleger, Krankenschwester/-pfleger, Altenpfleger/-in, Krankengymnast/-in, Masseur/-in, Masseur und med. Bademeister/Masseurin und med. Bademeisterin, Logopäde/Logopädin, Sonderschullehrer/-in, sonstige Berufsausbildungsabschlüsse, ohne abgeschlossene Ausbildung

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. 


Literatur
Arbeitsgruppe Fachkräftegewinnung für die Kindertagesbetreuung (2014): Diskussionspapier zur Bindung von pädagogischem Personal in Kindertageseinrichtungen. Berlin.

Autorengruppe Fachkräftebarometer (2014): Berufliche und akademische Ausbildungen, in: Autorengruppe Fachkräftebarometer (2014): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. München, S. 64-77.

Balluseck, Hilde von (Hrsg.) (2008): Professionalisierung der Frühpädagogik. Perspektiven, Entwicklungen, Herausforderungen. Opladen.

Züchner, Ivo/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Theisen, Christiane/Göddeke, Lorette/Bröring, Manfred (2014): Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen im Beruf. Ein neues pädagogisches Ausbildungsprofil im Übergang in den Arbeitsmarkt, in: Hanssen, Kirsten/König, Anke/Nürnberg, Carola/Rauschenbach, Thomas (Hrsg.) (2014): Arbeitsplatz Kita. Analysen zum Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. München, S. 31-46.