Befristete Arbeitsverhältnisse nach Arbeitsbereich
Keine Dimension ausgewählt

Vor dem Hintergrund des regionalspezifischen Fachkräftebedarfs sowie der sich daraus ergebenden Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung zu gewinnen und zu binden, können „attraktive“ Beschäftigungsbedingungen von enormer Bedeutung sein (vgl. Arbeitsgruppe Fachkräftegewinnung für die Kindertagesbetreuung 2014). Ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis kann ein solches Merkmal sein. So empfiehlt auch der DGB (2018) zur Gewinnung und Sicherung von Fachkräften (Erzieher*innen) in der Kindertagesbetreuung, die systematische Befristung von Fachkräften nach ihrem Abschluss zu vermeiden. Darüber hinaus ist genauer zu prüfen, ob befristete Arbeitsverträge auch Auswirkungen auf die Prozessqualität der pädagogischen Arbeit haben. Das Merkmal Befristung wurde in der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik mit dem Erhebungsstichtag 01.03.2014 erstmals seit 2002 wieder erfasst (s. methodische Hinweise). Wie schon 2014 zeigt sich auch mit den aktuellen Daten von 2019, dass pädagogisch tätige Personen in der KiTa je nach Arbeitsbereich unterschiedlich stark von Befristung betroffen sind.

Bundesweit sind insbesondere Fachkräfte, die für die Förderung von Kindern mit einer (drohenden) Behinderung zuständig sind, befristet tätig (25,1 %), wohingegen Gruppen- oder Einrichtungsleitungskräfte nur zu 7,4 % befristet beschäftigt sind. Ab 2015 konnte aus Gründen des Datenschutzes nicht nach Einrichtungs- und Gruppenleitungen differenziert werden. Für 2014 liegt diese Differenzierung jedoch vor. Personen, die als Zweit- bzw. Ergänzungskraft arbeiten oder gruppenübergreifend tätig sind, sind gleich häufig von Befristung betroffen (jeweils 19,7 %). Dass insbesondere Personen, die als Leitungskraft arbeiten seltener befristet tätig sind als Fachkräfte der anderen Arbeitsbereiche, mag unter anderem damit zusammenhängen, dass Leitungskräfte im Durchschnitt älter sind als die anderen pädagogisch Tätigen (s. Indikator „Alter nach Leitungsprofil") und insbesondere ältere Fachkräfte ein geringeres Befristungsrisiko aufweisen als jüngere (s. Indikator „Befristete Arbeitsverhältnisse – Altersstruktur").

Auch im Vergleich der Bundesländer sind die Gruppen- oder Einrichtungsleitungskräfte am seltensten von Befristung betroffen (außer in Berlin und Hamburg); zwischen den Bundesländern reichen die Werte von 3, 4 % in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 11,2 % in Bayern. Die Befristungsquoten der Tätigen aus den anderen Arbeitsbereichen stellen sich jedoch zwischen den Bundesländern höchst unterschiedlich dar. So gibt es zum einen Bundesländer mit einem auffällig hohen Anteil befristet Tätiger, die für die Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung zuständig sind: Dazu gehören vor allem Baden-Württemberg (38, 7 %), Bremen (31,3 %), Hessen (44,3 %), Nordrhein-Westfalen (37,2 %) und Rheinland-Pfalz (35,4 %). Hier ist das Befristungsrisiko für diese Arbeitsgruppe überdurchschnittlich hoch. Auf der anderen Seite haben diese Personen in Berlin (5,8 %), Hamburg (4,3 %), Mecklenburg-Vorpommern (7,8 %) und Sachsen-Anhalt (8 %) eine Befristungsquote von unter 10 %. In den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es die Zweit- bzw. Ergänzungskräfte in KiTas, die das höchste Befristungsrisiko aufweisen, in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen dagegen gruppenübergreifend Tätige.

Insgesamt sind die Befristungsquoten in Ostdeutschland (mit Berlin) der Personen aller Arbeitsbereiche mit Ausnahme der Personen, die als Zweit- bzw. Ergänzungskraft arbeiten, geringer als in Westdeutschland.

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird mit dem Erhebungsjahr 2014 erstmals wieder das Merkmal der Befristung erfasst. Bisher wurden mit Ausnahme des Datenjahres 2018 diejenigen tätigen Personen bei der Auswertung berücksichtigt, die im ersten Arbeitsbereich pädagogisch tätig sind (ohne Verwaltungstätige sowie Tätige im hauswirtschaftlichen und technischen Bereich) und als Angestellte, Arbeiter*innen oder Beamt*innen beschäftigt sind. In 2018 weicht die Definition der pädagogisch Tätigen im Vergleich zum Vorjahr aus datenschutzrechtlichen Gründen jedoch leicht ab. Berücksichtigt werden die tätigen Personen, die im ersten oder zweiten Arbeitsbereich pädagogisch tätig sind (ohne Tätige im hauswirtschaftlichen und technischen Bereich) und als Angestellte, Arbeiter*innen oder Beamt*innen beschäftigt sind. Unberücksichtigt bleiben Personen, die sich in Ausbildung, Praktikum, Freiwilligen Sozialen Jahr oder einer sonstigen Stellung, wie beispielsweise Ordensangehörigkeit befinden. Dadurch ergeben sich Abweichungen zu anderen Auswertungen, die alle pädagogisch Tätigen einbeziehen.

Ebenso werden im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik die folgenden Arbeitsbereiche des Personals in KiTas ab 2011 erfasst: Gruppenleitung, Zweit- bzw. Ergänzungskraft, gruppenübergreifend tätig, Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung, Leitung und Verwaltung. In der vorliegenden Auswertung wird der Arbeitsbereich Verwaltung nicht berücksichtigt.

Quelle

Daten ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Daten 2017:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. 

Literatur
Arbeitsgruppe Fachkräftegewinnung für die Kindertagesbetreuung (2014): Diskussionspapier zur Bindung von pädagogischem Personal in Kindertageseinrichtungen. Berlin.

DGB (2018): DGB-Empfehlungen zur Gewinnung und Sicherung von Fachkräften (Erzieher*innen) in der Kindertagesbetreuung. [Download von: https://www.dgb.de/++co++838086c8-30ff-11e9-9072-52540088cada/DGB-Empfehlungen_Gewinnung_und_Sicherung_Fachkraefte_Kindertagesbetreuung.pdf (21.04.2020)].