Evaluation{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].map.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Evaluation wird heute eine große Bedeutung beigemessen, wenn es darum geht, Transparenz über die Qualität in KiTas herzustellen und die Qualitätsentwicklung in den Einrichtungen anzuregen. Durch § 22a SGB VIII sind die Träger direkt oder indirekt aufgefordert, Instrumente und Verfahren der Evaluation einzusetzen. Eine Befragung der für Kindertagesbetreuung zuständigen Landesministerien hat näher beleuchtet, ob die Ebene der Bundesländer an KiTas und ihre Träger Anforderungen für die Durchführung von Evaluation formuliert, ob und welche Formen der Evaluation vorgegeben werden und wie mit Ergebnissen der Evaluation umgegangen wird.

Zur Förderung einer „guten“ Qualität in den KiTas wird zunehmend auch die Evaluation der pädagogischen Arbeit in den Einrichtungen als bedeutsam eingeschätzt. In der durchgeführten Befragung geben neun Bundesländer an (Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen), dass es eine landeseinheitlich geregelte Verpflichtung zur Evaluation der pädagogischen Qualität in KiTas gibt, die über die Anforderungen in § 22a SGB VIII hinausgeht. Im Saarland, in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen liegen allerdings Empfehlungen in unterschiedlicher Form vor.

Abgefragt wurde zudem, ob festgelegt ist, welche Arten von Evaluation durchzuführen sind. Die Bundesländer Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein sowie Thüringen verlangen eine interne Evaluation. Eine externe Evaluation ist in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen sowie Thüringen vorzunehmen. Demnach schreiben vier Bundesländer sowohl eine interne als auch eine externe Evaluation vor. Die Art und Weise, wie eine Evaluation durchgeführt wird, beispielsweise durch Beobachtungen von Externen in der KiTa oder eine Befragung der pädagogischen Fachkräfte, wird als Verfahren bezeichnet. Für die konkrete Durchführung der Evaluation gibt es nur in vier Bundesländern landesseitige Regelungen für die einzusetzenden Verfahren, und zwar in Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Thüringen. In Berlin wird dabei für die interne Evaluation ein Verfahren empfohlen, während für die externe Evaluation eines aus einer Reihe von vorgegebenen Verfahren auszuwählen ist. In Hessen können sich die Träger bzw. KiTas ein Verfahren aus einer Reihe von Vorschlägen auswählen, sie können sich aber auch für ein anderes Verfahren entscheiden. Auch in Thüringen wird auf diese Weise verfahren. Für die Berliner KiTas bestehen damit die konkretesten Anforderungen hinsichtlich der Verwendung bestimmter Evaluationsverfahren.

Die inhaltlichen Anforderungen an die Evaluation der Einrichtungen sind in Berlin eng mit dem Berliner Bildungsprogramm verknüpft bzw. werden von ihm angeleitet. Dabei gilt für die externe Evaluation, dass mehrere Perspektiven zu berücksichtigen sind: der Blick auf die gesamte Einrichtung und die Perspektive der Erzieherinnen, der Leitung, des Trägers und der Eltern. Bei der internen Evaluation stehen die pädagogischen Prozesse im Mittelpunkt, die anhand der Qualitätskriterien des Bildungsprogramms untersucht werden; Grundlage für diese Ausgestaltung der Evaluation in Berliner KiTas sind eine Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertagesstätten (QVTAG) sowie die „Eckpunkte zur Externen Evaluation der Arbeit nach dem Berliner Bildungsprogramm“. In anderen Bundesländern sind nach Angaben der zuständigen Fachministerien die Inhalte der Evaluation wie beispielsweise in Baden-Württemberg abzuleiten vom Orientierungsplan, im Saarland aus den Handreichungen zum saarländischen Bildungsprogramm oder in Nordrhein-Westfalen aus dem Kinderbildungsgesetz.

Es wird hier davon ausgegangen, dass eine zentrale Wirkung durch Evaluation nur dann erzeugt werden kann, wenn mit ihren Ergebnissen die Qualität der pädagogischen Arbeit weiterentwickelt wird. In kaum einem Bundesland gibt es jedoch differenzierte Anforderungen, wie mit den Evaluationsergebnissen umzugehen ist. In Bayern wird dies beispielsweise als kommunale Aufgabe verstanden, zudem soll im Rahmen eines Modellprojektes eine Beratung durch pädagogische Qualitätsbegleiter erfolgen. Demgegenüber bestehen in Berlin präzisere Vorgaben hinsichtlich der Verwendung der Ergebnisse der internen und externen Evaluation, die sich sowohl aus dem Berliner Bildungsprogramm als auch dem QVTAG ergeben. Die zentrale Bedeutung, die hier der Evaluation sowie der Steuerung des gesamten Prozesses von der Durchführung bis zur Nutzung der Evaluationsergebnisse beigemessen wird, zeigt sich auch darin, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft das Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung (BeKi) gegründet hat. Das Institut ist mit der Begleitung und Evaluation der Qualitätsentwicklung in den Berliner Tageseinrichtungen auf der Grundlage des Berliner Bildungsprogramms beauftragt; dazu gehört auch, dass Abläufe und Ergebnisse der Evaluationen in aggregierter Form aufbereitet werden, um aus diesen Erfahrungen Entwicklungsnotwendigkeiten ableiten zu können.

Bundesweit hat Berlin damit die differenzierteste „Steuerungsarchitektur“ für die Förderung der Qualitätsentwicklung, und zwar durch eine Kombination definierter Bildungsziele, definierter Vorgehensweisen zur Evaluation der pädagogischen Arbeit sowie der Nutzung der Ergebnisse zur Weiterentwicklung der Qualität auf Einrichtungsebene als auch auf der Ebene des gesamten FBBE-Systems in Berlin. Hervorzuheben ist, dass man sich in Berlin auf die Evaluation der pädagogischen Prozessqualität konzentriert und durch die Einbindung aller beteiligten Akteure – einschließlich der Eltern – ein demokratisches und prozessorientiertes Verfahren der Qualitätsentwicklung praktiziert wird.

In Rheinland-Pfalz sind Empfehlungen zur „Qualität der Erziehung, Bildung und Betreuung in Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz“ (QuE) mit den beteiligten Akteuren entwickelt worden. Zentrales Merkmal des Qualitätsverständnisses sind die zugrundeliegenden diskursiven und dialogischen Verfahren und Instrumente.

Die auf Landesebene definierten Anforderungen an die Evaluation der pädagogischen Arbeit der KiTas sind den Ergebnissen der durchgeführten Befragung zufolge in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Vielfach spielt das Thema auf Landesebene bislang eine eher geringe Rolle, während in einzelnen Bundesländern aktuell Initiativen zur Entwicklung von entsprechenden Verfahren angestoßen worden sind. Insgesamt zeigt sich angesichts dieser Situation ein deutlicher Forschungsbedarf in Bezug auf die Rolle und die Funktion von Evaluation bei der (Weiter-)Entwicklung von pädagogischer Qualität. Vor dem Hintergrund der internationalen Diskussion über Qualität in der FBBE (vgl. Dahlberg/Moss 2005; Urban 2012; Urban u. a. 2012) wäre dabei auch die Frage zu diskutieren, was unter dem Konstrukt der Qualität in der FBBE verstanden wird und welche Anforderungen sich daraus an Evaluationsverfahren sowie die Verwendung ihrer Ergebnisse ergeben.

Quelle
Daten 2015: Angaben der Bundesländer zu landesseitigen Regelungen zur Evaluation der pädagogischen Arbeit in KiTas im Rahmen der schriftlichen Befragung der Bertelsmann Stiftung für den Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme (Stand März 2015).

Literatur
Dahlberg, Gunilla/Moss, Peter (2005): Ethics and Politics in Early Childhood Education. London, New York.

Urban, Mathias (2012): Researching Early Child-hood Policy and Practice. A Critical Ecology, in: European Journal of Education, vol. 47, no. 4, p. 494–507.

Urban, Mathias/Vandenbroeck, Michel/Van Laere, Katrien/Lazzari, Arianna/Peeters, Jan (2012): Towards Competent Systems in Early Childhood Education and Care. Implications for Policy and Practice, in: European Journal of Education, vol. 47, no. 4, p. 508–526