Bildungsbeteiligung in Horten und Ganztagsschulen{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Seit der Modernisierung des deutschen Bildungswesens aufgrund der im Vergleich zu anderen Ländern weniger guten Ergebnisse bei der PISA-Studie 2000 wird neben dem frühkindlichen Bildungsbereich auch ein besonderes Augenmerk auf die Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter gelegt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2002 festgelegt, dass „Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Bildungs- und Fördermöglichkeiten, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Bildungsdefiziten und besonderen Begabungen“ (Kultusministerkonferenz 2002) flächendeckend eingeführt werden sollen. Derzeit nutzen Schulkinder in den einzelnen Bundesländern die zwei vorrangig bestehenden außerunterrichtlichen Ganztagsangebote (Horte oder Ganztagsgrundschulen) in unterschiedlichem Ausmaße. Dies zeigen die Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie der Kultusministerkonferenz (s. methodische Hinweise).

Zum 01.03.2016 nutzen deutschlandweit 16,2 % der unter 11-jährigen Schulkinder ein Hortangebot. Knapp ein Drittel (32,6 %) der Grundschulkinder nehmen im Schuljahr 2015/16 am schulischen Ganztagsbetrieb teil. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Hort das vorherrschende Angebot im Vergleich zur Nutzung von Ganztagsschulen: Beispielsweise sind in Brandenburg 79,8 % der Schulkinder unter 11 Jahren in einem Hort, in Sachsen 85,1 %. In Mecklenburg-Vorpommern (66,9 %) und Sachsen-Anhalt (70,4 %) werden diesbezüglich ebenfalls hohe Anteile erreicht. In Thüringen hingegen nimmt ein Großteil der Kinder ein schulisches Ganztagsangebot (80 %) in Anspruch, allerdings sind die Horte dort in schulischer Verantwortung, sodass die Kinder in diesem Bundesland in den Ganztagsschulen erfasst werden. Dies gilt auch für Berlin, hier sind 71,4 % der Schulkinder in Ganztagsgrundschulen.

Demgegenüber überwiegt in den meisten westdeutschen Bundesländern die Nutzung schulischer Ganztagsangebote. Eine hohe Bildungsbeteiligung an diesem Angebot zeigt sich insbesondere im Saarland (46,4 %) und in Nordrhein-Westfalen (41,6 %). Der höchste Anteil an Kindern in Ganztagsschulen wird jedoch in Hamburg erreicht (87,3 %) – im Vergleich zum Schuljahr 2012/13 (36,7 %) ist dieser Anteil deutlich angestiegen, dafür ist in diesem Zeitraum der Anteil an Schulkindern in Horten von 27,5 % auf 8 % zurückgegangen. Diese Entwicklung veranschaulicht die zum Schuljahr 2013/14 in Hamburg vollzogene Einführung der Ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen (GBS) für Grundschulkinder, in Verantwortung der Schule. In einzelnen Bundesländern stellt sich die Situation jedoch anders dar als in dieser grundsätzlichen Ost-West-Verteilung. Zum Beispiel ist zum Schuljahr 2015/16 in Bayern der Hort das vorherrschende Angebot: 18,1 % der Schulkinder unter 11 Jahren sind in einem Hort, ein schulisches Ganztagsangebot nutzen 10,6 % der Grundschulkinder.

Dieser Indikator gibt zum einen Auskunft darüber, wie viele der 5- bis unter 11-jährigen Schulkinder einen Hort, besuchen, bezogen auf die Anzahl der Kinder im Alter von 6,5 Jahren bis 10,5 Jahren in der Bevölkerung. Dies kann anhand der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik dargestellt werden. Zum anderen bildet der Indikator ab, wie viele der Schulkinder laut KMK-Statistik ein schulisches Ganztagsangebot in Anspruch nehmen bezogen auf die Anzahl der Kinder im Alter von 6,5 Jahren bis 10,5 Jahren in der Bevölkerung.

Eine Aufsummierung der beiden Anteile zu einer „Gesamtteilhabequote" derjenigen Kinder, die im Primarbereich an einem außerunterrichtlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot teilnehmen, ist ab 2011 aus methodischen Gründen nicht mehr zulässig, sodass ab diesem Jahr zwei Teilhabequoten ausgewiesen werden. Grund ist, dass es Kinder gibt, die ein Hortangebot als auch ein schulisches Ganztagsangebot wahrnehmen. Außerdem nutzen Kinder ein schulisches Ganztagsangebot, welches eine Kooperation von Schule und Hort ist. In beiden Fällen werden diese Kinder sowohl in die Kultusministerkonferenzstatistik als auch in die Kinder- und Jugendhilfestatistik gemeldet. Da es keine Verknüpfungsmöglichkeit der beiden Statistiken auf der Individualebene gibt, und keine der beiden Statistiken abfragt, ob die Daten auch in eine andere Statistik gemeldet werden oder Kinder zu dem jeweils erfassten Angebot auch ein weiteres Angebot nutzen, ist es nicht möglich, eine Gesamtteilhabequote auszuweisen. Aus diesem Grund werden zwei Quoten ausgewiesen, deren Aufsummierung zu einer Quote nicht zulässig ist.

Quelle
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder: Allgemein bildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Statistik 2011 bis 2015; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur
Kultusministerkonferenz 2002: PISA 2000 – Zentrale Handlungsfelder. Zusammenfassende Darstellung der laufenden und geplanten Maßnahmen in den Ländern. [Download von: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_10_07-Pisa-2000-Zentrale-Handlungsfelder.pdf (23.03.2017)]