Bildungsbeteiligung in Horten und Ganztagsschulen{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Seit der Modernisierung des deutschen Bildungswesens aufgrund der im Vergleich zu anderen Ländern weniger guten Ergebnisse bei der PISA-Studie 2000 wird neben dem frühkindlichen Bildungsbereich auch ein besonderes Augenmerk auf die Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter gelegt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2002 festgelegt, dass „Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Bildungs- und Fördermöglichkeiten, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Bildungsdefiziten und besonderen Begabungen“ (Kultusministerkonferenz 2002) flächendeckend eingeführt werden sollen. Derzeit nutzen Schulkinder in den einzelnen Bundesländern die zwei vorrangig bestehenden außerunterrichtlichen Ganztagsangebote (Horte oder Ganztagsgrundschulen), die sich nach Plehn (2019: 20) durch zahlreiche Unterschiede aber auch eine gemeinsame Schnittmenge auszeichnen: „Die Bereitstellung eines hochwertigen Angebots zur institutionellen Bildung, Betreuung, Erziehung sowie der Begleitung der Entwicklung der anvertrauten Kinder im Grundschulalter“. Die außerunterrichtlichen Ganztagsangebote werden in unterschiedlichem Ausmaß genutzt, wie die Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie der Kultusministerkonferenz zeigen (s. methodische Hinweise). Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der Bildungsbeteiligung von Kindern in schulischer Ganztagsbetreuung steigen wird, da ein Rechtsanspruch zur Nutzung von Ganztagsbetreuungsangeboten geplant ist (vgl. BMFSFJ 2019).

Zum 01.03.2018 nutzen deutschlandweit 16,6 % der unter 11-jährigen Schulkinder ein Hortangebot (ohne Mecklenburg-Vorpommern, siehe methodische Hinweise). Etwas mehr als ein Drittel (39,8 %) der Grundschulkinder nehmen im Schuljahr 2017/18 am schulischen Ganztagsbetrieb teil. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Hort das vorherrschende Angebot im Vergleich zur Nutzung von Ganztagsschulen: Beispielsweise sind in Brandenburg 80,7 % der Schulkinder unter 11 Jahren in einem Hort, in Sachsen 87,3 %. In Mecklenburg-Vorpommern (68,1 %) und Sachsen-Anhalt (73,2 %) werden diesbezüglich ebenfalls hohe Anteile erreicht. In Thüringen hingegen nimmt ein Großteil der Kinder ein schulisches Ganztagsangebot (81,1 %) in Anspruch, allerdings sind die Horte dort in schulischer Verantwortung, sodass die Kinder in diesem Bundesland in den Ganztagsschulen erfasst werden. Dies gilt auch für Berlin, hier sind 72,1 % der Schulkinder in Ganztagsgrundschulen.

Demgegenüber überwiegt in den meisten westdeutschen Bundesländern die Nutzung schulischer Ganztagsangebote. Eine hohe Bildungsbeteiligung an diesem Angebot zeigt sich insbesondere in Rheinland-Pfalz (47,7 %), im Saarland (51,1 %) und in Nordrhein-Westfalen (45,2 %). Der höchste Anteil an Kindern in Ganztagsschulen wird jedoch in Hamburg erreicht (89,1 %) – im Vergleich zum Schuljahr 2012/13 (36,7 %) ist dieser Anteil deutlich angestiegen, dafür ist in diesem Zeitraum der Anteil an Schulkindern in Horten von 27,5 % auf 2,1 % zurückgegangen. Diese Entwicklung veranschaulicht die zum Schuljahr 2013/14 in Hamburg vollzogene Einführung der Ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen (GBS) für Grundschulkinder, in Verantwortung der Schule.

Dieser Indikator gibt zum einen Auskunft darüber, wie viele der 5- bis unter 11-jährigen Schulkinder einen Hort, besuchen, bezogen auf die Anzahl der Kinder im Alter von 6,5 Jahren bis 10,5 Jahren in der Bevölkerung. Dies kann anhand der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik dargestellt werden. Zum anderen bildet der Indikator ab, wie viele der Schulkinder laut KMK-Statistik ein schulisches Ganztagsangebot in Anspruch nehmen bezogen auf die Anzahl der Kinder im Alter von 6,5 Jahren bis 10,5 Jahren in der Bevölkerung. Die Statistiken weisen unterschiedliche Stichtage auf: Die 6,5- bis 10,5-jährigen Kinder in der Bevölkerung werden jeweils zum 31.12. eines Jahres erfasst, die Kinder in Horten jeweils zum 01.03. eines Jahres und die Kinder in Ganztagsgrundschulen jeweils zum Schuljahresbeginn im Herbst.

Eine Aufsummierung der beiden Anteile zu einer „Gesamtteilhabequote" derjenigen Kinder, die im Primarbereich an einem außerunterrichtlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot teilnehmen, ist ab 2011 aus methodischen Gründen nicht mehr zulässig, sodass ab diesem Jahr zwei Teilhabequoten ausgewiesen werden. Grund ist, dass es Kinder gibt, die ein Hortangebot als auch ein schulisches Ganztagsangebot wahrnehmen. Außerdem nutzen Kinder ein schulisches Ganztagsangebot, welches eine Kooperation von Schule und Hort ist. In beiden Fällen werden diese Kinder sowohl in die Kultusministerkonferenzstatistik als auch in die Kinder- und Jugendhilfestatistik gemeldet. Da es keine Verknüpfungsmöglichkeit der beiden Statistiken auf der Individualebene gibt, und keine der beiden Statistiken abfragt, ob die Daten auch in eine andere Statistik gemeldet werden oder Kinder zu dem jeweils erfassten Angebot auch ein weiteres Angebot nutzen, ist es nicht möglich, eine Gesamtteilhabequote auszuweisen. Aus diesem Grund werden zwei Quoten ausgewiesen, deren Aufsummierung zu einer Quote nicht zulässig ist.

Bei den Angaben zu den Kindern in Ganztagsgrundschulen ab dem Schuljahr 2016/2017 ist zu berücksichtigen, dass ab 2016 eine erweiterte Definition für die offenen Ganztagsangebote Anwendung findet (vgl. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2018: 6). Dies führt in diesem Bereich in einigen Ländern zu einem deutlichen Anstieg. 

Quelle

Daten ab 2018 bzw. Schuljahr 2017/2018
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2018; Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder: Allgemein bildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Statistik 2011 bis 2017; zusammengestellt und berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung, 2019.

Daten 2017 bzw. Schuljahr 2016/2017
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder: Allgemein bildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Statistik 2011 bis 2016; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund und der Bertelsmann Stiftung, 2017/2018.

Daten bis 2016 bzw. Schuljahr 2015/2016
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder: Allgemein bildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Statistik 2011 bis 2015; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur
[BMFSFJ] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2019): Betreuungslücken für Grundschulkinder schließen [Download von: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/kinderbetreuung/ganztagsbetreuung/betreuungsluecken-fuer-grundschulkinder-schliessen/133604 (13.09.2019)].

Kultusministerkonferenz 2002: PISA 2000 – Zentrale Handlungsfelder. Zusammenfassende Darstellung der laufenden und geplanten Maßnahmen in den Ländern. [Download von: www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_10_07-Pisa-2000-Zentrale-Handlungsfelder.pdf (13.08.2019)]

Plehn, Manja (2019): Qualität in Hort, Schulkindbetreuung und Ganztagsschule. Grundlagen zum Leiten, Führen, Managen. Freiburg im Breisgau: Herder.

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (2018): Allgemeinbildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland - Statistik 2012 bis 2016. Berlin. [Download von: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/GTS_2016_Bericht.pdf (12.08.2019)].