Familiäre Sprachpraxis und Migrationshintergrund{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage zunehmend in einer multikulturellen Gesellschaft auf, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an Kindern mit Fluchtgeschichte in Deutschland. Dabei ist die erfolgreiche Teilhabe am deutschen Bildungssystem in erheblichem Maße davon abhängig, ob Kinder über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund (mindestens ein Elternteil ist ausländischer Herkunft), für die Deutsch ihre zweite oder auch dritte Sprache ist, brauchen deshalb möglichst früh Lebenskontexte, die es ihnen auch ermöglichen, Deutsch zu lernen. Kindertageseinrichtungen können einen dieser bedeutsamen Lebenskontexte darstellen, indem zum einen die dort tätigen Fachkräfte die Sprachfähigkeiten der Kinder gezielt fördern und zum anderen Kinder, die in ihren Familien nicht deutsch sprechen, von Kindern, die in ihren Familien deutsch sprechen, lernen. So konnten bisherige Studien belegen, dass Kinder mit Migrationshintergrund mit zunehmender Dauer des Kindergartenbesuchs seltener Defizite in der deutschen Sprache aufweisen (vgl. z. B. Becker 2006). Ebenso ist das Potential der Mehrsprachigkeit auch als Chance für das Aufwachsen von Kindern zu verstehen. Wie viele der betreuten Kinder in KiTas derzeit einen Migrationshintergrund haben und in der Familie vorwiegend nicht Deutsch sprechen, kann mit Hilfe der amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik differenziert für die Altersgruppen der Kinder unter drei Jahren und der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt dargestellt werden (s. methodische Hinweise).

Zum 01.03.2017 hat in Ostdeutschland ungefähr nur jedes zehnte Kind unter drei Jahren in den KiTas einen Migrationshintergrund (11 %). Diese teilen sich so auf, dass 3,1 % der Kinder unter drei Jahren in den KiTas in ihrer Familie überwiegend deutsch sprechen und einen Migrationshintergrund haben, 7,9 % haben einen Migrationshintergrund und sprechen zu Hause vorrangig eine andere Sprache. In Westdeutschland, wo der Anteil der Kinder dieses Alters mit Migrationshintergrund in KiTas höher, und zwar bei 25,9 %, liegt, wird in 10,9 % der Familien vorwiegend deutsch und in 15 % der Familien nicht deutsch gesprochen und die Kinder weisen einen Migrationshintergrund auf.

Unter den älteren betreuten Kindern (ab drei Jahren bis zum Schuleintritt) ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund etwas höher als bei den jüngeren Kindern: So haben in Ostdeutschland lediglich 15 % einen Migrationshintergrund, wohingegen in Westdeutschland die Kinder mit Migrationshintergrund in den KiTas mit einem Anteil von 34 % eine bedeutende Gruppe darstellen. 11,8 % der älteren Kinder in Westdeutschland in KiTas weisen einen Migrationshintergrund auf und sprechen in der Familie überwiegend deutsch, 22.2 % der Kinder haben einen Migrationshintergrund und sprechen vornehmlich eine andere Sprache als Deutsch. In Ostdeutschland liegen diese Anteile auf einem deutlich niedrigeren Niveau (3,7 % bzw. 11,3 %). Diese Unterschiede müssen vor dem Hintergrund gesehen werden, dass mit Ausnahme von Berlin, der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund an der altersgleichen Gesamtbevölkerung in Ostdeutschland generell niedriger ist als in Westdeutschland.

Während in Bremen fast jedes zweite Kind ab drei Jahren bis zum Schuleintritt in einer KiTa einen Migrationshintergrund aufweist (49,5 %), gibt es in den KiTas in Mecklenburg-Vorpommern (7,7 %), Sachsen-Anhalt (8,2 %) und Thüringen (8,4 %) nur wenige Kinder mit Migrationshintergrund. Auch die Anteile älterer Kinder in KiTas, die einen Migrationshintergrund aufweisen und die innerfamiliär überwiegend nicht deutsch sprechen, fallen in einzelnen westdeutschen Bundesländern – und hier insbesondere in den Stadtstaaten – deutlich höher aus als in Ostdeutschland, so beispielsweise in Bremen (35,4 %) und Hamburg (28 %). Berlin als ostdeutscher Stadtstaat folgt diesem Trend (31,8 %). Auch in anderen westdeutschen Bundesländern wie Hessen (31,1 %), Baden-Württemberg (25,2 %) und Nordrhein-Westfalen (23,6 %) sind die Anteile ähnlich hoch. In den ostdeutschen Flächenländern werden kaum Kinder mit Migrationshintergrund, die zu Hause überwiegend nicht deutsch sprechen, betreut. Die Anteile variieren hier auf einem minimalen Niveau von 4,9 % in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 5,7 % in Sachsen.

Die Information, dass Kinder überwiegend eine andere Sprache als deutsch in ihren Familien sprechen, gibt wertvolle Hinweise für die besondere Funktion, die KiTas für diese Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache zukommt. Vor diesem Hintergrund wäre es aufschlussreich festzustellen, ob das pädagogische Personal in den KiTas ausreichend qualifiziert ist, um Kindern mit Migrationshintergrund angemessene Bildungsgelegenheiten in KiTas zu eröffnen, und insbesondere, ob das Personal die Kinder, die in der Familie vorrangig nicht deutsch sprechen, angemessen beim Zweitspracherwerb (deutsch) begleiten kann. 

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird die Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund erfasst. Ein Migrationshintergrund wird den Kindern zugeschrieben von denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Zudem wird erhoben, ob in der Familie vorrangig deutsch oder nicht deutsch gesprochen wird. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass die auf diese Weise erfasste Gruppe an Kindern mit Migrationshintergrund sehr heterogen hinsichtlich ihrer (sozio-)ökonomischen und sozialen Lebenslage, Kultur und Biografie, etc. ist. Es kann also mit Hilfe der amtlichen Statistik dargestellt werden, wie hoch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die in der Familie überwiegend deutsch oder nicht-deutsch sprechen, an allen betreuten Kindern ist.

Quelle
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017. 

Literatur
Becker, Birgit (2006): Der Einfluss des Kindergartens als Kontext zum Erwerb der deutschen Sprache bei Migrantenkindern, in: Zeitschrift für Soziologie, 35. Jg., Heft 6, S. 449-464.