Betreuungsumfang nach Migrationshintergrund{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage zunehmend in einer multikulturellen Gesellschaft auf, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an Kindern mit Fluchtgeschichte in Deutschland. Als häufig erstes von Kindern in Anspruch genommenes institutionelles Bildungsangebot, kommt der Kindertageseinrichtung dabei eine wichtige Funktion für die Integration, Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft und der Förderung des Spracherwerbs von Kindern mit einem sogenannten Migrationshintergrund zu (s. methodische Hinweise). So belegen empirische Studien, dass sich der Besuch einer qualitativ hochwertigen KiTa positiv auf die Entwicklung und Kompetenzen des Kindes auswirkt (vgl. zum Forschungsstand: Anders 2013). Dieser Effekt gilt auch für Kinder mit Migrationshintergrund (vgl. z. B. Becker/Tremel 2006; Biedinger/Becker 2010). Dennoch veranschaulichen die amtlichen Daten, dass Kinder mit Migrationshintergrund in der Kindertagesbetreuung nach wie vor unterrepräsentiert sind (s. Indikator „Kinder nach Migrationshintergrund in KiTas und Kindertagespflege“). Auch im Nutzungsverhalten von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in KiTas, hier beispielhaft anhand der vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten dargestellt, zeigen sich Differenzen.

Mit Blick auf die Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, die ein KiTa-Angebot nutzen, zeigen sich Differenzen hinsichtlich der vereinbarten Betreuungszeiten. Westdeutsche KiTa-Kinder mit Migrationshintergrund im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt nutzen zu einem etwas höheren Anteil ein Angebot mit einer vereinbarten Betreuungszeit von mehr als 35 Stunden pro Woche als die altersgleichen Kinder ohne Migrationshintergrund. Zum 01.03.2017 werden in Westdeutschland 44,5 % der Kinder mit Migrationshintergrund in KiTas mehr als 35 Stunden betreut, bei den Kindern ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil mit 42,2 % etwas niedriger. Aufschlussreich ist, dass es im westdeutschen Bundesländervergleich keinen einheitlichen Trend gibt: Während beispielsweise in Bremen die Nutzung einer längeren Betreuungszeit des KiTa-Angebotes bei den Kindern ohne Migrationshintergrund (51,5 %) über der der Kinder mit Migrationshintergrund (34,4 %) liegt, ist es in Bayern genau umgekehrt: Hier nutzt ein Anteil von 34,9 % der Kinder ohne Migrationshintergrund das KiTa-Angebot wöchentlich mehr als 35 Stunden, bei den Kindern mit Migrationshintergrund ist dieser Anteil mit 48 % deutlich höher.

In den ostdeutschen Ländern gibt es hingegen einen einheitlichen Trend und zwar insofern, als hier Kinder ohne Migrationshintergrund häufiger längere Betreuungszeiten in Anspruch nehmen im Vergleich zu Kindern mit Migrationshintergrund. Dies trifft insbesondere auf Berlin zu (78,8 % gegenüber 39,8 %), aber auch auf Mecklenburg-Vorpommern (74,2 % bzw. 46,9 %) und Brandenburg (68,1 % bzw. 36,8 %). In Thüringen hingegen ist die diesbezügliche Differenz minimal (95,3 % bzw. 92,1 %). 

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird die Anzahl der Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund in KiTas und in Kindertagespflege erfasst. Ein Migrationshintergrund wird den Kindern zugeschrieben von denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Zudem wird erhoben, ob in der Familie vorrangig Deutsch oder nicht Deutsch gesprochen wird. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass die auf diese Weise erfasste Gruppe an Kindern mit Migrationshintergrund sehr heterogen hinsichtlich ihrer (sozio-) ökonomischen und sozialen Lebenslage, Kultur, subjektiven Sichtweise und Biografie, etc. ist. Darüber hinaus können mit den amtlichen Daten die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten der Kinder ausgewiesen werden. Die unterschiedlichen Betreuungszeiten der Kinder in KiTas und Kindertagespflege ab dem Jahr 2006 sind im Indikator „Betreuungsumfang in Kindertagesbetreuung" nach Altersgruppen dargestellt. Folglich können die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten sowohl für die Kinder mit als auch für die Kinder ohne Migrationshintergrund ausgewertet werden. Diese Daten werden bei dem vorliegenden Indikator nur für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt dargestellt.

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. 

Literatur
Anders, Yvonne (2013): Stichwort: Auswirkungen frühkindlicher institutioneller Betreuung und Bildung, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Volume 16, Issue 2, 2013, S. 237-275.

Becker, Rolf/Tremel, Patricia (2006): Auswirkungen vorschulischer Kinderbetreuung auf die Bildungschancen von Migrantenkinder, in: Soziale Welt 57, S. 397-418.

Biedinger, Nicole/Becker, Birgit (2010): Frühe ethnische Bildungsungleichheit: Der Einfluss des Kindergartenbesuchs auf die deutsche Sprachfähigkeit und die allgemeine Entwicklung, in: Becker, Birgit/Reimer, David (Hrsg.): Vom Kindergarten bis zur Hochschule. Die Generierung von ethnischen und sozialen Disparitäten in der Bildungsbiographie. Wiesbaden, S. 49-79.