Alter zum Betreuungsbeginn nach Migrationshintergrund{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
{{selectedIndicatorSet.name}}

Die KiTa ist häufig das erste von Kindern in Anspruch genommene institutionelle Bildungsangebot. Damit kommt ihr eine wichtige Funktion für die Integration, Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft sowie der Förderung des Spracherwerbs von allen Kindern zu (s. methodische Hinweise). So belegen empirische Studien, dass sich der Besuch einer qualitativ hochwertigen KiTa positiv auf die Entwicklung und Kompetenzen des Kindes auswirkt (vgl. zum Forschungsstand: Anders 2013). Dieser Effekt gilt auch für Kinder mit Migrationshintergrund (vgl. z. B. Becker/Tremel 2006; Biedinger/Becker 2010). Dennoch sind Kinder mit Migrationshintergrund in der Kindertagesbetreuung nach wie vor unterrepräsentiert.

Diese Unterrepräsentanz lässt die Frage aufkommen, aus welchen Gründen es trotz empirisch belegter hoher Bildungsaspirationen der Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund (vgl. Barz u. a. 2015; Berg-Lupper 2006: 98; Neumann 2005: 185ff.) zu dieser unterschiedlichen Inanspruchnahme von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund kommt. Der bisherige Forschungsstand zu diesem Thema zeigt, dass nach wie vor diverse Zugangsbarrieren sowohl auf Seiten der Institutionen als auch auf Seiten der Familien mit und ohne Migrationshintergrund vorliegen (vgl. Lokhande 2013; Neumann 2005: 185ff.). Dies können zum Beispiel Einstellungen und Normen der Familie, Kosten für die Kindertagesbetreuung, die Entfernung zur KiTa, religiöse Vorstellungen, Informationsbedarf und Transparenz, Angst vor Entfremdung, Bewertung und wahrgenommene Qualität von Erziehung und Betreuung, Trägerschaft der KiTa, die sprachlich-kulturelle Zusammensetzung und die interkulturellen Kompetenzen des Personals sein, aber auch einen Platz zu erhalten. Studien zeigen jedoch auch, dass für viele dieser von Eltern genannten Gründe nicht der Migrationshintergrund, sondern vielmehr die geringe Schulbildung der Eltern ausschlaggebender ist (vgl. Lokhande 2013). Eine Möglichkeit des Abbaus der genannten Zugangsbarrieren kann in der Durchführung interkultureller Elternbildung in KiTas gesehen werden (vgl. Lokhande 2014).

Ob es auch Unterschiede beim Alter der Aufnahme in die aktuell besuchte KiTa oder Kindertagespflege zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund gibt, kann anhand des vorliegenden Indikators analysiert werden.

Bundesweit waren 10,7 % von den zum 01.03.2017 unter vierjährigen Kindern mit Migrationshintergrund bei der Aufnahme in die aktuell besuchte KiTa unter ein Jahr bzw. 32,7 % waren ein Jahr alt. Bei den gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund gilt dies für 20 % bzw. 41,3 %. Demnach sind Kinder mit Migrationshintergrund zu Beginn der Betreuung etwas älter als Kinder ohne Migrationshintergrund. 

Auf Ebene der Bundesländer setzen sich diese Differenzen unterschiedlich stark fort. So tritt dieser Unterschied zum Beispiel in Sachsen-Anhalt noch deutlicher auf: Während hier 22,6 % der unter vierjährigen Kinder mit Migrationshintergrund zu Beginn der KiTa-Betreuung unter einem Jahr alt waren, traf dies auf fast die Hälfte aller Kinder ohne Migrationshintergrund zu (49,2 %). Und auch in Brandenburg gibt es diesbezüglich einen größeren Unterschied: 16,9 % der Kinder mit Migrationshintergrund und 36,8 % der Kinder ohne Migrationshintergrund wurden mit unter einem Jahr in die aktuell besuchte KiTa aufgenommen. Demgegenüber ist der Unterschied beim Aufnahmealter zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Rheinland-Pfalz schwächer: 6,8 % der Kinder mit Migrationshintergrund waren unter einem Jahr bzw. 29 % ein Jahr alt als sie in die aktuell besuchte KiTa kamen. Bei den Kindern ohne Migrationshintergrund sind diese Anteile nur etwas höher (9 % bzw. 39,9 %). Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es diesbezüglich geringere Unterschiede als in anderen Bundesländern: Zum Zeitpunkt der KiTa-Aufnahme sind 7,3 % der Kinder mit MH und 10,2 % der Kinder ohne MH unter ein Jahr und 28,3 % bzw. 33,4 % sind ein Jahr alt.

Für die Kindertagespflege zeigt sich von der Tendenz her ebenso, dass Kinder mit Migrationshintergrund etwas älter bei der Aufnahme in die aktuell besuchte Kindertagespflegestelle sind als Kinder ohne Migrationshintergrund. Jedoch sind die Unterschiede zwischen den Kindern nicht so ausgeprägt wie im KiTa-Bereich: Bundesweit waren zum Zeitpunkt der Aufnahme 32,9 % der unter vierjährigen Kinder mit Migrationshintergrund unter ein Jahr bzw. 51,5 % ein Jahr alt. Auf die Kinder ohne Migrationshintergrund trifft dies auf 38,1 % bzw. 54,5 % zu. Auch hier werden wieder bundeslandspezifische Unterschiede deutlich. In Berlin z.B. waren 32,8 % der Kinder mit Migrationshintergrund zu Beginn der Betreuung in der Kindertagespflege unter einem Jahr alt, bei den Kindern ohne Migrationshintergrund waren es 42,1 %. Gemessen an diesem Anteil gibt es aber auch Bundesländer in denen Kinder mit Migrationshintergrund beim Betreuungsbeginn etwas jünger sind als Kinder ohne Migrationshintergrund (Bremen und Hessen).  

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird die Anzahl der Kinder mit und ohne Migrationshintergrund in KiTas und in Kindertagespflege erfasst. Unter Kindern mit Migrationshintergrund werden hier Kinder verstanden von denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass die auf diese Weise erfasste Gruppe an Kindern mit Migrationshintergrund eigentlich sehr heterogen hinsichtlich ihrer (sozio-)ökonomischen und sozialen Lebenslage, Kultur, etc. ist.

Ab dem Erhebungsjahr 2014 wird das Merkmal „Aufnahmemonat und -jahr des Kindes in das aktuell genutzte Betreuungsangebot“ erfasst, sodass rückblickend vom Stichtag 1.3. monatsgenau abgebildet werden kann, in welchen Monaten – und demnach in welchem Alter - die Kinder in das aktuell besuchte FBBE-Angebot aufgenommen wurden. Es geht bei diesem Indikator also nicht um das Alter zum allgemeinen Betreuungsbeginn, sondern es kann nur ausgewertet werden, wie alt das jeweilige Kind bei der Aufnahme in die aktuell besuchte KiTa oder Kindertagespflege gewesen ist. Die Inanspruchnahme vorheriger FBBE-Angebote wird hierbei nicht berücksichtigt. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass in der Auswertung der Kinder in KiTas im Jahr 2016 Kinder, die zu Beginn ihrer Betreuung unter einem Monat alt waren, nicht in die Analyse miteinbezogen werden. In der Auswertung zur Kindertagespflege werden Kinder, die zusätzlich eine KiTa besuchen, nicht berücksichtigt. 

Für die Auswertung der Kinder in Kindertagespflege nach Migrationshintergrund und Betreuungsbeginn zum 01.03.2017 ist zudem aus Gründen des Datenschutzes folgendes zu beachten: 

  • Für Kinder mit Migrationshintergrund: 
    • Thüringen: Die Kategorie „1 Jahr“ ist inklusive der Kinder mit Migrationshintergrund, die zu Beginn der Betreuung 3 Jahre alt waren.
    • Bremen und Sachsen: Die Kategorie „2 Jahre“ ist inklusive der Kinder mit Migrationshintergrund, die zu Beginn der Betreuung 3 Jahre alt waren.
  • Für Kinder ohne Migrationshintergrund: 
    • Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die Kategorie „2 Jahre“ ist inklusive der Kinder ohne Migrationshintergrund, die zu Beginn der Betreuung 3 Jahre alt waren. 

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund, 2017. 

Literatur
Anders, Yvonne (2013): Stichwort: Auswirkungen frühkindlicher institutioneller Betreuung und Bildung, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Volume 16, Issue 2, 2013, S. 237-275.

Barz, Heiner/Barth, Katrin/Cerci-Thomas, Merak/Dereköy, Zeynep/Först, Mareike/Le, Thi Thao/Mitchnik, Igor (2015): Große Vielfalt, weniger Chancen. Eine Studie über die Bildungserfahrungen und Bildungsziele von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ergebnisse des Forschungsprojekts „Bildung, Milieu & Migration“ der Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Gefördert von der Stiftung Mercator und der Vodafone Stiftung Deutschland. Essen.

Becker, Rolf/Tremel, Patricia (2006): Auswirkungen vorschulischer Kinderbetreuung auf die Bildungschancen von Migrantenkinder, in: Soziale Welt 57, S. 397-418.

Berg-Lupper, Ulrike (2006): Kinder mit Migrationshintergrund. Bildung und Betreuung von Anfang an?, in: Bien, Walter/Rauschenbach, Thomas/Riedel, Birgit (Hrsg.) (2006): Wer betreut Deutschlands Kinder? DJI-Kinderbetreuungsstudie. Weinheim/Basel, S. 83-104.

Biedinger, Nicole/Becker, Birgit (2010): Frühe ethnische Bildungsungleichheit: Der Einfluss des Kindergartenbesuchs auf die deutsche Sprachfähigkeit und die allgemeine Entwicklung, in: Becker, Birgit/Reimer, David (Hrsg.): Vom Kindergarten bis zur Hochschule. Die Generierung von ethnischen und sozialen Disparitäten in der Bildungsbiographie. Wiesbaden, S. 49-79.

Lokhande, Mohini (2014): Kitas als Brückenbauer. Interkulturelle Elternbildung in der Einwanderungsgesellschaft. Policy Brief herausgegeben vom Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Berlin.

Lokhande, Mohini (2013): Hürdenlauf zur Kita: Warum Eltern mit Migrationshintergrund ihr Kind seltener in die frühkindliche Tagesbetreuung schicken. Policy Brief herausgegeben vom Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Berlin.

Neumann, Ursula (2005): Kindertagesangebote für unter sechsjährige Kinder mit Migrationshintergrund, in: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.) (2005): Materialien zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht, Band 1: Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter sechs Jahren. München, S. 175-221.