Unter Dreijährige: Aufnahmezeitpunkt in Kindertagesbetreuung{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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In den vergangenen Jahren hat sich die institutionelle Kindertagesbetreuung enorm gewandelt. Dies zeigt sich zum einen anhand der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz in KiTas oder in Kindertagespflege für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres ab dem 01.08.2013. Zum anderen zeigt sich der institutionelle Wandel der Kindertagesbetreuung anhand des quantitativen Ausbaus der Betreuungsplätze für Kinder im Alter von unter drei Jahren. Das bedeutet: Jedes Kind hat ab dem Alter von einem Jahr das Recht, einen Betreuungsplatz zur Verfügung gestellt zu bekommen, unabhängig davon, wann das Kind im Laufe des Jahres Geburtstag hat. Der Einstiegszeitpunkt in das Betreuungsangebot sollte also eigentlich frei wählbar sein. Demgegenüber ist das FBBE-System aber gewissen anderen Logiken ausgesetzt: So muss sich das FBBE-System zum Beispiel nach der schulischen Aufnahmepraxis richten, also dass ein Großteil der betreuten Kinder die KiTa zu einem bestimmten Stichtag verlässt und in die Schule wechselt (vgl. Meiner/Rieser/Strunz 2015: 12f.). Der Träger ist jedoch daran interessiert, die frei gewordenen Betreuungsplätze möglichst lange besetzt zu lassen und schnell neu zu belegen.

Anhand des 2014 neu in der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik aufgenommenen Merkmals „Aufnahmemonat und -jahr des Kindes in das aktuell genutzte Betreuungsangebot“ kann analysiert werden, in welchem Monat ein zum 01.03. (Erhebungsstichtag der amtlichen Statistik) unter drei Jahre altes Kind in der aktuell besuchten KiTa bzw. Kindertagespflege aufgenommen wurde bzw. welche Aufnahmepraxis in den einzelnen Bundesländern mehrheitlich ausgeübt wird.  

In der Mehrheit der Bundesländer wurden die KiTa-Kinder, die zum 01.03.2017 unter drei Jahre alt waren, in den Monaten August und September, also nach den Sommerferien, in der aktuell besuchten KiTa aufgenommen. In den einzelnen Bundesländern stellt sich dies so dar: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel wurden drei Viertel aller unter Dreijährigen (75,7 %) und in Bremen 74,2 % aller Kleinkinder im August aufgenommen. Auch Berlin (30,2 %), Niedersachsen (39,8 %) und Schleswig-Holstein (30,3 %) erreichen diesbezüglich hohe Anteile. Demgegenüber wurde in Bayern der Großteil der unter dreijährigen KiTa-Kinder (40,1 %) im September aufgenommen. Aber auch Baden-Württemberg (18,5 %), Brandenburg (26,5 %), Hessen (18,1 %), Mecklenburg-Vorpommern (19,9 %), Rheinland-Pfalz und Thüringen (beide jeweils 17,3 %) erreichen diesbezüglich hohe Anteile. In den Monaten April, Mai, Juni und Juli flachen die Anteile der in der KiTa neu aufgenommenen unter Dreijährigen in den meisten Bundesländern ab. Auch im Dezember werden mehrheitlich wenige Kinder aufgenommen. In den Monaten Januar, Februar und März hingegen nehmen einige Bundesländer wieder einen hohen Anteil an unter Dreijährigen neu auf: Dazu gehören Baden-Württemberg (36,5 %), Hamburg (30 %), Hessen (33,6 %), Rheinland-Pfalz (31,1 %), das Saarland (34,1 %) und Thüringen (29,2 %). In Nordrhein-Westfalen trifft dies nur auf 8,9 % aller unter Dreijährigen zu. 

Es zeigt sich also, dass insbesondere die ostdeutschen Länder (außer Berlin) sowie Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland eher eine geringe Varianz bei der Aufnahmepraxis zwischen den Monaten aufweisen. Dies kann auf eine Aufnahmedynamik hinweisen, die eher durch die Nachfrage der Eltern bestimmt wird (vgl. Meiner/Teubner/Strunz 2015: 14). Die auffällig hohen Aufnahmequoten in den Monaten August und September in Bayern, Berlin, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sprechen hingegen für eine angebotsorientierte Aufnahmedynamik. Diese Aufnahmepraxis können auch durch landespolitische Empfehlung gesteuert werden. So wird zum Beispiel in Bremen, ein Stadtstaat der durch eine hohe Aufnahmequote im Monat August geprägt ist, für die Stadtgemeinde Bremen im Rahmen der BremAOG festgelegt, dass zwar eine generelle unterjährige Aufnahme in KiTas möglich ist (vgl. § 3 Abs. 2, Nr. 3 BremAOG), jedoch wird den Eltern empfohlen, „die Aufnahme ihres Kindes in eine Tageseinrichtung jeweils zum Beginn des Kindergartenjahres [zu] beantragen […]“ (§ 3 Abs. 2, Nr. 1 BremAOG) (zit. nach Meiner/Rieser/Strunz 2015: 14f.). Diese hier für Bremen beispielhaft aufgezeigten landespolitischen Empfehlungen müssen bei der Analyse der monatsspezifischen Aufnahmepraxis der Länder mitberücksichtigt werden und bedürfen einer detaillierteren Analyse. Insbesondere der Einfluss der Finanzierungsregelungen auf die Aufnahmepraxis bedarf einer genaueren Betrachtung.

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird ab dem Erhebungsjahr 2014 das Merkmal „Aufnahmemonat und -jahr des Kindes in das aktuell genutzte Betreuungsangebot“ erfasst. Anhand dieses Merkmals kann analysiert werden, in welchem Monat die betreuten Kinder, die zum Stichtag 1.3. des Erhebungsjahres unter drei Jahre alt waren, in der aktuellen KiTa aufgenommen wurden. Dadurch wird deutlich, in welchen Bundesländern welche Aufnahmepraxis bezogen auf den Aufnahmemonat ausgeübt wird.

Quelle

Daten ab 2017:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2017; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Daten bis 2016:

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund (AKJStat), 2017. 

Literatur

Meiner, Christiane/Rieser, Svenja/Strunz, Eva (2015): Bedarfsgerecht oder angebotsorientiert? Eine Analyse der monatsspezifischen Aufnahmen von unter 3-Jährigen in der Kindertagesbetreuung, in: KomDat Jugendhilfe, Heft 1/2015, S. 12-15.