Betreuungsquote und Betreuungswunsch{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Seit dem 01.08.2013 besteht bundesweit ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer KiTa oder in Kindertagespflege für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr sowie eine objektiv-rechtliche Gewährleistungspflicht für unter einjährige Kinder. Wie viele der unter dreijährigen bzw. der ab dreijährigen Kinder in Deutschland derzeit ein Angebot der Kindertagesbetreuung (KiTa oder Tagespflege) nutzen und inwiefern sich dies in den vergangenen Jahren entwickelt hat, kann anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik von 2006 bis 2017 analysiert werden (s. methodische Hinweise). Ferner kann mit den Ergebnissen der repräsentativen DJI-Kinderbetreuungsstudie U15 aus dem Jahr 2017 zu den elterlichen Betreuungsbedarfen von Kindern unter drei bzw. ab drei Jahren auf Ebene der Bundesländer ausgewertet werden, wie hoch der derzeitige elterliche Betreuungsbedarf ist, und somit, wie weit die Bundesländer von der Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebots entfernt sind. 

In der Gesamtschau werden eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz, und zwar zum 01.03.2017, bundesweit 33,1 % der unter dreijährigen Kinder in einer KiTa oder in Kindertagespflege betreut. Zwischen den Bundesländern variiert dieser Anteil von 26,3 % in Nordrhein-Westfalen bis zu 56,9 % in Sachsen-Anhalt. Laut der DJI-Kinderbetreuungsstudie u15 liegt der derzeitige Betreuungsbedarf der Eltern mit unter dreijährigen Kindern bundesweit bei 45,2 % (vgl. www.fruehe-chancen.de bzw. BMFSFJ (2018)). Auch der elterliche Betreuungsbedarf unterscheidet sich zwischen den Bundesländern enorm: Während sich im Bayern 37,1 % der Eltern einen Betreuungsplatz für ihr unter dreijähriges Kind wünschen, sind es demgegenüber 63,4 % der Eltern in Sachsen-Anhalt. Niedrige elterliche Betreuungsbedarfe sind zudem in den weiteren westlichen Flächenländern Niedersachsen (40,8 %), Nordrhein-Westfalen (41,0 %), Saarland (42,0 %) und Baden-Württemberg (42,3 %) zu beobachten. Hohe Betreuungsbedarfe werden zudem in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg (62,6 %) und Mecklenburg-Vorpommern (62,0 %) von den Eltern geäußert.

Erst durch die Gegenüberstellung des erreichten Ausbaustandes und den von den Eltern geäußerten Betreuungsbedarfen kann beurteilt werden, inwiefern die einzelnen Bundesländer derzeit ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen können. Es zeigt sich, dass die Bundesländer diesem Ziel unterschiedlich gerecht werden. So wird die größte Differenz zwischen Teilhabequote und Betreuungsbedarf in Bremen mit - 20,9 Prozentpunkten ersichtlich: Während sich hier 47,3 % der Eltern einen Betreuungsplatz wünschen, werden tatsächlich nur 26,4 % der unter Dreijährigen in einer KiTa oder in Kindertagespflege betreut. Weitere große Unterschiede in Höhe von - 14 bis - 16 Prozentpunkten gibt es zudem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, , Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg sowie Hessen. Demgegenüber ist das tatsächliche Betreuungsangebot in den ostdeutschen Bundesländern insgesamt deutlich näher an dem gewünschten Angebot: So liegt die Differenz zwischen Teilhabequote und elterlichem Betreuungsbedarf in Thüringen nur bei – 5,4 Prozentpunkten und in  Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bei nur rund – 6,0 Prozentpunkten. Die Gegenüberstellung von Teilhabequote und elterlichem Betreuungsbedarf verdeutlicht, dass nicht allein in Bundesländern mit niedrigen Teilhabequoten zum 01.03.2017 ein starker Ausbau des Betreuungsangebots notwendig ist, sondern ein den elterlichen Betreuungsbedarfen gerechtes Betreuungsangebot zur Verfügung stehen sollte.

Bei den älteren Kindern im Alter von drei bis unter sechs Jahren ist die Differenz zwischen Teilhabequote und Betreuungsbedarf deutlich niedriger als noch bei den jüngeren Kindern. Auf Bundeslandebene ist die größte Differenz, wie bereits bei den jüngeren Kindern auch, bei den älteren Kindern in Bremen zu finden (- 9,8 Prozentpunkte): Während sich hier 97,3 % der Eltern einen Betreuungsplatz wünschen, werden tatsächlich 87,5 % der ab Dreijährigen in einer KiTa oder in Kindertagespflege betreut. Die anderen Bundesländer erreichen ein niedrigeres Niveau der Differenz zwischen Teilhabequote und Betreuungswunsch der Eltern. Ein Grund hierfür mag darin liegen, dass für diese Altersgruppe bereits seit 1996 ein Rechtsanspruch auf ein FBBE-Angebot besteht. In den meisten Bundesländern sind mittlerweile annähernd alle Kinder in diesem Alter in Kindertagesbetreuung. 

Die Teilhabequote weist aus, wie viele Kinder eines bestimmten Alters ein Angebot der Kindertagesbetreuung, also KiTa oder Kindertagespflege, in Anspruch nehmen bezogen auf die altersgleichen Kinder in der Bevölkerung. Die dafür benötigten Daten sind zum einen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik entnommen, die jährlich zum 01.03. (bis 2008 zum 15.03.) durchgeführt wird, sowie zum anderen der amtlichen Bevölkerungsstatistik zum 31.12. eines Jahres. Bis zu den Daten zum 31.12.2013 (Referenzzahl zur Bildung der Teilhabequote zum 01.03.2014) beruhten die Bevölkerungszahlen auf der Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis der Volkszählung von 1987. Ab den Daten zum 31.12.2014 (Referenzzahl zur Bildung der Teilhabequote zum 01.03.2015) basieren die Bevölkerungszahlen auf der Fortschreibung der amtlichen Daten des Zensus 2011. Eine Analyse der methodischen Auswirkungen dieser Umstellung der Referenzzahl, konkret einer rein rechnerischen, geringfügigen Veränderung der Teilhabequoten, ist Mühlmann und Meiner-Teubner (2015) zu entnehmen. 

Ziel der repräsentativen „Kinderbetreuungsstudie u15“ 2017 des DJI ist es, differenzierte Informationen zur Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsangeboten sowie zu den elterlichen Betreuungsbedarfen auf Ebene der Bundesländer zu erhalten. Diese Kinderbetreuungsstudie ist eine  Fortführung der seit 2012 jährlich durchgeführten KiföG-Länderstudie des DJI. Erstmalig wurden neben den Eltern von unter dreijährigen Kindern auch Eltern von Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt sowie die von bis unter elfjährigen Schulkindern befragt. 2016 wurden in allen Bundesländern Angaben von rund 19.000 Eltern von unter sechsjährigen Kindern und knapp 15.000 Eltern von schulpflichtigen Kindern erhoben (vgl. BMFSFJ 2017: 3). 

Ausgewiesen wird in der vorliegenden Abbildung in Prozentpunkten die Differenz zwischen der Betreuungsquote am 01.03.2017 und dem elterlichen Betreuungsbedarf 2017 laut repräsentativer „Kinderbetreuungsstudie u15“ 2017 des DJI. Auf eine Angabe fehlender Plätze zur Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebotes wird aus methodischen und inhaltlichen Gründen verzichtet. 

Quelle
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Deutsches Jugendinstitut: Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie U15, 2017; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2018. 

Literatur
[BMFSFJ] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2017): Kindertagesbetreuung Kompakt. Ausbaustand und Bedarf 2016. Ausgabe 02. Berlin.

Mühlmann, Thomas/Meiner-Teubner, Christiane (2015): Welche Folgen hat die Umstellung der Bevölkerungsstatistik für die Kinder- und Jugendhilfestatistik?, in: KomDat Jugendhilfe, Heft 3/2015, S. 14-17.