Betreuungsquote und Betreuungswunsch in Kindertagesbetreuung

Seit dem 01.08.2013 besteht bundesweit ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer KiTa oder in der Kindertagespflege für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr sowie eine objektiv-rechtliche Gewährleistungspflicht für unter einjährige Kinder. Wie viele der unter dreijährigen bzw. der ab dreijährigen Kinder in Deutschland derzeit ein Angebot der Kindertagesbetreuung (KiTa oder Tagespflege) nutzen und inwiefern sich dies in den vergangenen Jahren entwickelt hat, kann anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik von 2006 bis 2020 analysiert werden (s. methodische Hinweise). Ferner kann mit den Ergebnissen der repräsentativen DJI-Kinderbetreuungsstudie U12 aus dem Jahr 2020 zu den elterlichen Betreuungsbedarfen von Kindern unter drei bzw. ab drei Jahren auf Ebene der Bundesländer ausgewertet werden, wie hoch der derzeitige elterliche Betreuungsbedarf ist und somit, wie weit die Bundesländer von der Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebots entfernt sind. 

Die Teilhabequote weist aus, wie viele Kinder eines bestimmten Alters ein Angebot der Kindertagesbetreuung, also KiTa oder Kindertagespflege, in Anspruch nehmen bezogen auf die altersgleichen Kinder in der Bevölkerung. Die dafür benötigten Daten sind zum einen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik entnommen, die jährlich zum 01.03. (bis 2008 zum 15.03.) durchgeführt wird, sowie zum anderen der amtlichen Bevölkerungsstatistik zum 31.12. eines Jahres. Bis zu den Daten zum 31.12.2013 (Referenzzahl zur Bildung der Teilhabequote zum 01.03.2014) beruhten die Bevölkerungszahlen auf der Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis der Volkszählung von 1987. Ab den Daten zum 31.12.2014 (Referenzzahl zur Bildung der Teilhabequote zum 01.03.2015) basieren die Bevölkerungszahlen auf der Fortschreibung der amtlichen Daten des Zensus 2011. Eine Analyse der methodischen Auswirkungen dieser Umstellung der Referenzzahl, konkret einer rein rechnerischen, geringfügigen Veränderung der Teilhabequoten, ist Mühlmann und Meiner-Teubner (2015) zu entnehmen.  

Ziel der repräsentativen „Kinderbetreuungsstudie U12“ 2020 des DJI ist es, differenzierte Informationen zur Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsangeboten sowie zu den elterlichen Betreuungsbedarfen auf Ebene der Bundesländer zu erhalten. Diese Kinderbetreuungsstudie ist eine Fortführung der seit 2012 jährlich durchgeführten KiföG-Länderstudie des DJI. 2020 wurden in allen Bundesländern Angaben von ca. 33.000 Eltern von Kindern unter 12 Jahren erhoben (vgl. BMFSFJ 2021: 7).  

Ausgewiesen wird in der vorliegenden Abbildung in Prozentpunkten die Differenz zwischen der Betreuungsquote am 01.03.2020 und dem elterlichen Betreuungsbedarf 2020 laut repräsentativer „Kinderbetreuungsstudie U12“ 2020 des DJI. Auf eine Angabe fehlender Plätze zur Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebotes wird aus methodischen und inhaltlichen Gründen verzichtet. 

Für das Datenjahr 2020 gilt: Aufgrund der zeitweiligen Schließung bzw. des eingeschränkten Betriebs der Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen durch die Corona-Pandemie konnten einige Einrichtungen ihre Daten nicht rechtzeitig übermitteln. Bei den vorliegenden Daten muss von einer Untererfassung von ca. 50 KiTas mit ca. 2.000 betreuten Kindern und dem jeweiligen Personal ausgegangen werden. 

Quelle

Quelle ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie Statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Deutsches Jugendinstitut: Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen. 

Quelle 2017:
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Deutsches Jugendinstitut: Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie U15, 2017; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2018.  

Literatur
[BMFSFJ] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2021): Kindertagesbetreuung Kompakt. Ausbaustand und Bedarf 2020. Ausgabe 06. Berlin. 

Mühlmann, Thomas/Meiner-Teubner, Christiane (2015): Welche Folgen hat die Umstellung der Bevölkerungsstatistik für die Kinder- und Jugendhilfestatistik?, in: KomDat Jugendhilfe, Heft 3/2015, S. 14-17.