KiTas und Kindertagespflege im Vergleich

In den vergangenen Jahren hat sich die institutionelle Kindertagesbetreuung enorm gewandelt. Insbesondere die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz in Kindertageseinrichtungen (KiTas) oder in Kindertagespflege für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres ab dem 01.08.2013 war eine wesentliche Voraussetzung für diese Entwicklungen. Bei dem dadurch ausgelösten quantitativen Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder im Alter von unter drei Jahren spielte die Ausweitung der Plätze in der Kindertagespflege eine nicht unbedeutende Rolle. So wurde die Kindertagespflege durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) in ihrem rechtlichen Förderauftrag zur Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern als gleichwertige Betreuungsform für unter Dreijährige neben den KiTas eingestuft. Alt et al. (2014) untersuchten auf der Datengrundlage des DJI-Surveys AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten) die Unterschiede aus der Sicht der Eltern zwischen KiTas und Kindertagespflege hinsichtlich Nutzerprofile, Betreuungspräferenzen und Zufriedenheit. Die Ergebnisse machen deutlich, dass zunächst eine Offenheit für viele Eltern gegenüber beiden Angebotsformen vorliegt, dennoch KiTa und Kindertagespflege aus Sicht der Eltern nicht generell austauschbar sind. Als meistgenannte Gründe eine Kindertagespflege in Anspruch zu nehmen, werden kleine Gruppengrößen, positive Erfahrungen von Bekannten, eine gute Erreichbarkeit bzw. die Möglichkeit, dass die Tagesmutter auch ins Haus kommt sowie der familienähnliche Betreuungscharakter und die Möglichkeit der sehr frühen bzw. sehr späten Betreuung angegeben. Ob Kinder eher in KiTas oder in Kindertagespflege betreut werden, und welche Bedeutung somit je nach Alter des Kindes und je nach Bundesland die verschiedenen Betreuungsformen haben, bildet der vorliegende Indikator ab. Dieser Indikator zeigt auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik, wie viele Kinder im Alter von unter drei Jahren bzw. im Alter von ab drei Jahren bis Schuleintritt entweder in KiTas oder in der Kindertagespflege sind. 

Bundesweit nutzen insgesamt 818.427 unter Dreijährige zum 01.03.2019, fünfeinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs, ein Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Davon befinden sich 687.427 Kinder in einer KiTa (84,0 %) sowie 131.000 Kinder in Kindertagespflege (16,0 %). Während in Ostdeutschland (mit Berlin) nur 8,9 % der betreuten unter Dreijährigen Kindertagespflege nutzen, sind es in Westdeutschland 18,8 %. Diese Ost-West-Tendenz setzt sich auf Ebene der Bundesländer größtenteils fort: So sind in Nordrhein-Westfalen 33,1 % der betreuten unter Dreijährigen in Kindertagespflege. Damit besitzt die Kindertagespflege in diesem Bundesland im Vergleich zu den anderen Bundesländern eine größere Bedeutung. Aber auch norddeutsche Bundesländer wie Bremen (16,2 %), Niedersachsen (21,9 %) und Schleswig-Holstein (23,9 %) kommen auf diesbezüglich hohe Anteile. Demgegenüber hat die Kindertagespflege in Sachsen-Anhalt und Thüringen eine geringere Bedeutung. Hier sind nur 2,3 % bzw. 3,6 % aller betreuten Kinder in Kindertagespflege. Ausnahmen zu dem ostdeutschen Trend stellen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen dar. In diesen Bundesländern wird jeweils ein zweistelliger Anteil erreicht: 15,3 % bzw. 12,5 % aller unter dreijährigen Kinder in FBBE werden in Kindertagespflege betreut. Auch bei den westdeutschen Bundesländern gibt es Ausnahmen: In Bayern (8,2 %), Hamburg (7,9 %) und dem Saarland (8,3 %) liegt der Anteil der betreuten Kinder in Kindertagespflege bei um die 8 %.

Die Kindertagespflege ist eine Betreuungsform, die eher von jüngeren Kindern genutzt wird. So sind bundesweit von insgesamt 2.488.613 ab dreijährigen Kindern in FBBE nur 17.421 Kinder in Kindertagespflege. Dies macht einen Anteil von 0,7 % aus. Bei den jüngeren Kindern sind es wie bereits dargestellt 16,0 %. Zwischen den Bundesländern schwankt der Anteil der betreuten Kinder in Kindertagespflege bei den älteren Kindern nicht so stark wie bei den unter Dreijährigen. Der höchste Anteil wird in Schleswig-Holstein und Berlin (jeweils 1,4) sowie Niedersachsen und Hamburg (jeweils 1,3 %) erreicht. Demgegenüber sind in Thüringen so gut wie gar keine ab dreijährigen Kinder in Kindertagespflege.

Der vorliegende Indikator weist sowohl für die unter dreijährigen Kinder als auch für die ab dreijährigen Kinder bis zum Schuleintritt aus, wie viele der Kinder, die ein Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung nutzen, entweder in einer KiTa oder in Kindertagespflege betreut werden. Die dafür benötigten Daten sind der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik entnommen, die jährlich zum 01.03. durchgeführt wird. Kinder, die sowohl Tageseinrichtungen als auch Kindertagespflege nutzen, werden ab 2012 nicht mehr doppelt gezählt und nur unter Kindertageseinrichtungen ausgewiesen. Bei der Altersgruppe der ab Dreijährigen werden nicht die Kinder berücksichtigt, die in (vor-)schulischen Einrichtungen sind.

Quelle

Daten ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Daten bis 2017:
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur

Alt, Christian/Heitkötter, Martina/Riedel, Birgit (2014): Kita und Kindertagespflege für unter Dreijährige aus Sicht der Eltern - gleichrangig, aber nicht austauschbar? Nutzerprofile, Betreuungspräferenzen und Zufriedenheit der Eltern auf Basis des DJI-Survey (AID:A). in: Zeitschrift für Pädagogik, 60(5), S. 782-801.