Mittagsverpflegung in Kindertagesbetreuung{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Eine hochwertige und ausgewogene Ernährung und Verpflegung fördern das Wohlbefinden, die Entwicklung und die Gesundheit aller Kinder. Dies gilt auch für die Mahlzeiten in der Kindertagesbetreuung und stellt somit ein Qualitätsmerkmal von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung dar.   So ist nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung „ein wesentlicher Bestandteil einer gesundheitsfördernden Lebensweise […] das regelmäßige Angebot von ausgewogenen Mahlzeiten sowie das gemeinsame Essen. Eine vollwertige Verpflegung und die Qualität der Ernährung beeinflussen die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern und sind somit elementare Bestandteile der Gesundheitsförderung“ (DGE 2015: 9). Trotz dieser hohen Relevanz stellt sich die Verpflegungssituation der betreuten Kinder in KiTas zwischen den Bundesländern sehr heterogen und unzureichend dar. Dies zeigt sich zum einen anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik, die die Mittagsverpflegung in KiTas und Kindertagespflege erfasst, sowie zum anderen im Rahmen einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Studie zum Status quo und den Handlungsbedarfen in der Mittagsverpflegung in deutschen KiTas (vgl. Arens-Azevedo u.a. 2014).

In den ostdeutschen KiTas ist die Mittagsverpflegung für alle Kinder bis zum Schulbesuch bis auf wenige Ausnahmen der Normalfall. Entsprechend liegt in allen ostdeutschen Bundesländern sowohl bei den unter dreijährigen Kindern als auch bei den dreijährigen Kindern bis zum Schuleintritt der Anteil der Kinder mit Mittagsverpflegung bei annähernd 100 %. Demgegenüber unterscheidet sich der Anteil der Kinder, die in der KiTa eine Mittagsverpflegung erhalten, in Westdeutschland deutlich. Einerseits hinsichtlich der Altersgruppen: So sind es bei den Kindern unter drei Jahren mehr als zwei Drittel der Kinder (75,1 %), die in der KiTa eine Mittagsverpflegung erhalten; bei den Kindern ab drei Jahren sind es nur noch 62,7 % der Kinder. Andererseits gibt es auch zwischen den westdeutschen Bundesländern erhebliche Unterschiede: In Baden-Württemberg erhalten fast zwei Drittel aller Krippenkinder (61,3 %) eine Mittagsverpflegung, im Saarland hingegen sind es 93,3 % und in Hamburg 99 % der jüngsten Kinder. Von den Kindern ab drei Jahren nutzt in Baden-Württemberg mit 38,8 % nur etwas mehr als ein Drittel das Mittagessen, deutlich höher ist der Anteil auch hier in Hamburg (98 %). Die Differenzen, sowohl hinsichtlich der Alters- als auch der Länderunterschiede, könnten damit zusammenhängen, dass die Inanspruchnahme eines Ganztagsbetreuungsangebots zwischen den westdeutschen Bundesländern erheblich variiert und zudem jüngere Kinder in der KiTa eine längere Betreuungszeit in Anspruch nehmen als ältere Kinder (s. Indikator „Betreuungszeiten“) und somit eher ein Mittagessen benötigen. Angesichts der zunehmenden vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten ist von einem steigenden Bedarf an Mittagsbetreuung und somit auch -verpflegung auszugehen (vgl. Arens-Azevedo u.a. 2014: 6).

Mit der Situation in KiTas vergleichbar nehmen in der Kindertagespflege in der Mehrheit der ostdeutschen Bundesländer am 01.03.2017 ebenso fast alle Kinder unter drei Jahren ein Mittagessen in Anspruch (97 %). Nur in Brandenburg liegt der Anteil der Kinder mit Mittagsverpflegung in Kindertagespflege 10,8 Prozentpunkte unter dem Anteil der Kinder in einer KiTa. In der Mehrheit der westdeutschen Bundesländer hingegen essen Kleinkinder in der Tagespflege häufiger zu Mittag als in der KiTa; ein genau umgekehrtes Ergebnis ist in Hamburg, Niedersachsen und dem Saarland zu finden.

Demgegenüber nehmen ältere Kinder in KiTas in dem Großteil der Bundesländer häufiger ein Mittagessen zu sich im Vergleich zu den altersgleichen Kindern in der Kindertagespflege. In Baden-Württemberg hingegen ist es zum Beispiel genau umgekehrt. So essen hier drei Viertel der älteren Kinder in Tagespflege zu Mittag (78 %), in der KiTa sind es jedoch nur 38,8 %. 

Die oben genannte Studie zur KiTa-Verpflegung in Deutschland (vgl. Arens-Azevedo u.a. 2014) konnte aufzeigen, dass die angebotene Verpflegung nur in jeder dritten untersuchten KiTa dem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Standard entspricht. Zudem wurde ein Großteil der untersuchten Rahmenbedingungen als unzureichend eingestuft, wie zum Beispiel eine ungenügende Infrastruktur in den Küchen oder eine zu geringe Anzahl an haus- und küchenwirtschaftlichen Fachkräften. Um allen Kindern in Deutschland unabhängig von der Finanzsituation der Familie ein ausgewogenes, qualitativ hochwertiges und altersgerechtes Mittagessen zur Verfügung zu stellen, sind bundesweit einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards für die KiTa-Verpflegung notwendig, die zum Beispiel das Kostenmanagement, die Infrastruktur, die Qualitätssicherung, das Hygienemanagement oder die Personalbemessung betreffen. Diese sollten durch ein Zusammenspiel von kompetenten Akteuren auf allen Ebenen der Systeme der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung eingeführt werden (vgl. ebd.: 8).

Ausgewiesen wird in der vorliegenden Auswertung der Anteil der Kinder, die laut der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik in der KiTa bzw. in der Tagespflege eine Mittagsverpflegung erhalten. Vorausgesetzt wird, dass diese über die KiTa bzw. die Tagespflege angeboten bzw. organisiert wird. Dadurch werden alle Essen mitgezählt, die unter Beteiligung der Kinder selbst zubereitet werden oder von einem Drittanbieter geliefert werden. Im Rahmen der Statistik ist die Inanspruchnahme eines Mittagessens nur dann anzugeben, wenn das Kind an mindestens der Hälfte der betreuten Tage pro Woche ein Essen in Anspruch nimmt, das von der KiTa organisiert wird. Nicht ausgewiesen wird, wenn Kinder ihr Essen zum Beispiel als Lunchpaket selbst mitbringen. Anhand der amtlichen Statistik kann jedoch keine Aussage über die Qualität des Mittagessens getroffen werden.

Quelle
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017. 

Literatur
Arens-Azevedo, Ulrike/Pfannes, Ulrike/Tecklenburg, M. Ernestine (2014): Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland: Status quo und Handlungsbedarfe. Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Gütersloh.

[DGE] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2015): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. Bonn.