Gewünschter Betreuungsumfang in Kindertagesbetreuung{{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
{{selectedIndicatorSet.name}}

Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr soll auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden. So führen unter anderem die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten sowie die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere von Müttern, zu einer höheren Nachfrage nach öffentlichen Betreuungsangeboten und nach flexibleren Betreuungszeiten. Bedarfsgerechte zeitliche Betreuungsumfänge sind jedoch stets vor dem Hintergrund der Sicherstellung des Wohls des Kindes und der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu gewährleisten. Inwiefern die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten den von den Eltern für ihr Kind gewünschten Betreuungszeiten entsprechen, veranschaulicht der vorliegende Indikator. Dabei wird zum einen anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik analysiert, in welchem zeitlichen Umfang Kinder derzeit Angebote der Kindertagesbetreuung (KiTa und Kindertagespflege) nutzen. In dieser Statistik werden jährlich die wöchentlichen Betreuungszeiten, die für jedes Kind vertraglich vereinbart worden sind, stundengenau und differenziert nach genutzter Betreuungsform und Altersjahren erfasst. Zum anderen wird anhand der Daten der DJI-Kinderbetreuungsstudie U15 (2016) analysiert, welchen Betreuungsumfang sich Eltern für ihr Kind wünschen (s. methodische Hinweise).

Laut der DJI-Kinderbetreuungsstudie U15, einer repräsentativen Befragung von Eltern zur Betreuung von unter 15-jährigen Kindern aus dem Jahr 2016 (s. methodische Hinweise), entspricht der vertraglich vereinbarte Betreuungsumfang bei den unter dreijährigen Kindern in KiTas und Kindertagespflege in weiten Teilen derzeit noch nicht dem von Eltern gewünschten Betreuungsumfang (vgl. Alt/Gesell/Huber 2017): 2016 wünschen sich 34 % der befragten Eltern einen Betreuungsplatz mit einem Zeitumfang von mehr als 35 bis unter 45 Wochenstunden in einer KiTa oder in der Kindertagespflege. Dieser Betreuungsumfang wird aber von nur 18,2 % der Eltern tatsächlich vertraglich vereinbart. Sie buchen eher einen höheren Betreuungsumfang in Höhe von 45 Wochenstunden und mehr (36 %) als sie tatsächlich möchten (20 %).

Dabei ergeben sich landesspezifische Unterschiede: So entsprechen zum Beispiel in Niedersachsen die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten in etwa den von den Eltern geäußerten Wünschen. 44 % der Eltern möchten hier einen Platz mit mehr als 35 Wochenstunden in Anspruch nehmen und 39,3 % haben diesen Umfang auch vertraglich gebucht. Demgegenüber besteht zum Beispiel im Saarland eine größere Diskrepanz bei der Passgenauigkeit von gewünschter und tatsächlich gebuchter Betreuungszeit. Hier wünschen sich zum einen 57 % der Eltern einen Platz mit mehr als 35 Wochenstunden für ihr unter dreijähriges Kind, obwohl 78,1 % diesen zeitlichen Umfang letztendlich tatsächlich vereinbart haben. Zum anderen möchten 43 % der befragten Eltern im Saarland einen Betreuungsumfang von bis zu 35 Wochenstunden für ihr Kind, der Anteil der Eltern, die diesen Umfang aber vertraglich tatsächlich gebucht haben liegt jedoch bei nur 21,8 %.

Auch bei den älteren Kindern ab drei Jahren bis zum Schuleintritt entsprechen die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten nicht den von den Eltern geäußerten Wünschen. Um ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot zur Verfügung zu stellen, gilt es die Bedarfe der Eltern unter Berücksichtigung des Kindeswohls stärker einzubeziehen.

In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden die wöchentlich vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten erfasst. Anhand der amtlichen Statistik kann darüber hinaus grundsätzlich keine Aussage über die tatsächliche Nutzungsdauer der Betreuungsangebote getroffen werden. Ausgewiesen wird der vertraglich vereinbarte Betreuungsumfang.

Die DJI-Kinderbetreuungsstudie U15 wird seit 2016 jährlich vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführt und schließt an die KiföG-Länderstudie an, die im Rahmen der KiföG-Evaluation von 2012 bis 2015 vom DJI durchgeführt wurde. Ziel der Studie ist es, differenzierte Informationen zur Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsangeboten sowie zu den elterlichen Betreuungsbedarfen auf Ebene der Bundesländer zu erhalten. Dazu wurden circa 35.000 Eltern von Kindern im Alter von unter fünfzehn Jahren befragt. Der gewünschte Betreuungsumfang wird nur bei den Eltern erhoben, die auch einen Bedarf für einen Betreuungsplatz angegeben haben. Es wird dabei nicht unterschieden zwischen dem gewünschten Betreuungsumfang in Kindertagespflege oder KiTa.

Quelle
Deutsches Jugendinstitut: DJI - Kinderbetreuungsreport 2016, 2017.
Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege 2016, DJI-Kinderbetreuungsstudie U15 2016; zusammengestellt und berechnet vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2017.

Literatur
Alt, Christian/Gesell, Daniela/Hubert, Sandra/Hüsken, Katrin/Kuhnke, Ralf/Lippert, Kerstin (2017): DJI – Kinderbetreuungsreport 2016. Inanspruchnahme und Bedarf aus Elternperspektive. Deutsches Jugendinstitut e. V.. München.