Betreuungsumfang in KiTas

Ein zentrales, mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr verfolgtes Ziel ist die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So führen unter anderem Veränderungen in der Arbeitswelt, wie zum Beispiel die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten sowie die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere von Müttern, zu einer höheren Nachfrage nach öffentlichen Betreuungsangeboten und nach flexibleren Betreuungszeiten, was mit einer erhöhten Bedeutsamkeit öffentlicher Bildung und Erziehung einhergeht (vgl. Viernickel/Fuchs-Rechlin 2015). Auch Stahl und Schober (2016) legen mit ihren Ergebnissen nahe, dass der Ausbau eines ganztägigen Kindertagesbetreuungsangebotes zu mehr wahrgenommener Zufriedenheit bei den Müttern führt. Bedarfsgerechte zeitliche Betreuungsumfänge sind jedoch stets vor dem Hintergrund der Sicherstellung des Wohls des Kindes und der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu gewährleisten. In welchem zeitlichen Umfang Kinder derzeit Angebote der Kindertagesbetreuung nutzen, kann anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik beantwortet werden. In dieser Statistik werden jährlich die wöchentlichen Betreuungszeiten, die für jedes Kind vertraglich vereinbart worden sind, stundengenau differenziert nach genutzter Betreuungsform (KiTa oder Kindertagespflege) und Altersjahren erfasst. Im vorliegenden Indikator liegt der Fokus auf dem Betreuungsumfang in KiTas.

Im Folgenden wird der Blick auf den Betreuungsumfang von unter dreijährigen Kindern in KiTas gerichtet (regionale Daten zum Betreuungsumfang in Kindertagespflege finden Sie hier). Die vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten für Kinder dieses Alters in KiTas zeigen sowohl zwischen den Bundesländern als auch innerhalb der Bundesländer auf Ebene der Kreise bzw. kreisfreien Städte und auf Ebene der Jugendamtsbezirke erhebliche Unterschiede auf: Bundesweit werden zum 01.03.2019 insgesamt 11,8 % der unter Dreijährigen in KiTas bis zu 25 Wochenstunden betreut. Weitere 30,0 % nehmen einen Betreuungsumfang von mehr als 25 bis zu 35 Wochenstunden in Anspruch, wohingegen mehr als die Hälfte der KiTa-Kinder (58,3 %) mehr als 35 Wochenstunden betreut werden. 

In den kreisfreien Städten Brandenburg an der Havel, Ludwigshafen am Rhein, Rostock, Kiel, Eisenach und Erfurt sowie in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Rostock nehmen jeweils nur unter 0,5 % aller betreuten unter Dreijährigen in KiTas einen Betreuungsumfang von bis zu 25 Wochenstunden in Anspruch. In den kreisfreien Städten Zweibrücken, Cottbus, Frankfurt (Oder), Schwerin und Suhl werden gar keine unter Dreijährigen in KiTas bis zu 25 Wochenstunden betreut. Demgegenüber liegt dieser Anteil im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau deutlich höher, und zwar bei 69,2 %. Die größte diesbezügliche Spannweite zwischen den Kreisen unter allen Flächenländern befindet sich in Niedersachsen: Dort werden in der kreisfreien Stadt Wolfsburg 1,0 % der unter Dreijährigen bis zu 25 Wochenstunden betreut, während es im Landkreis Cloppenburg 64,2 % sind. Demgegenüber gibt es in Mecklenburg-Vorpommern kaum regionale Unterschiede: Hier nutzen in der kreisfreien Stadt Schwerin keine unter Dreijährigen in KiTas diesen Betreuungsumfang, während es im Landkreis Vorpommern-Rügen anteilig nur geringfügig mehr sind (1,6 %).

Wird der Fokus auf die längeren vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten gerichtet, also auf mehr als 35 Wochenstunden, dann werden folgende regionale Unterschiede deutlich: Im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau wird dieser Buchungsumfang sehr selten vertraglich vereinbart (5,3 %), während er in der kreisfreien Stadt Erfurt (Thüringen) von fast allen KiTa-Kindern im Alter von unter drei Jahren genutzt wird (98,7 %). Bei diesem Betreuungsumfang ergibt sich die größte Spannweite zwischen den Kreisen erneut in Niedersachsen (5,5 % im Landkreis Lüchow-Dannenberg bis hin zu 94,1 % in der kreisfreien Stadt Osnabrück), wohingegen die geringste Differenz erneut in Mecklenburg-Vorpommern vorzufinden ist (74,5 % im Landkreis Vorpommern-Greifswald bis hin zu 80,3 % im Landkreis Nordwestmecklenburg). 

Inwiefern diese vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten aktuell den von Eltern für ihr Kind gewünschten Betreuungszeiten entsprechen, kann dem Indikator „Gewünschter Betreuungsumfang“ entnommen werden. Diese Daten liegen allerdings nur auf Bundeslandebene vor.

In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden seit 2012 die wöchentlich vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten erfasst. Anhand der amtlichen Statistik kann darüber hinaus grundsätzlich nichts über die tatsächliche Nutzungsdauer der Betreuungsangebote ausgesagt werden. Ausgewiesen wird der vertraglich vereinbarte Betreuungsumfang.

Quelle

Daten ab 2018:
FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder sowie Statistisches Bundesamt, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; berechnet vom LG Empirische Bildungsforschung der FernUniversität in Hagen.

Daten bis 2017:
Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2018.

Literatur

Stahl, Juliane/Schober, Pia (2016): Ausbau der ganztägigen Kindertagesbetreuung kann zur Zufriedenheit von Müttern beitragen, DIW-Wochenbericht, 83(37), S. 840-847.

Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten (2015): Fachkraft-Kind-Relationen und Gruppengrößen in Kindertageseinrichtungen. Grundlagen, Analysen, Berechnungsmodell, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.