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Ein zentrales und vielfach diskutiertes Qualitätsmerkmal von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung ist der sogenannte Personalschlüssel in KiTas. Dieser Indikator gibt das Verhältnis von Anzahl der betreuten Kinder zu einer Fachkraft wieder. Bisherige, insbesondere internationale, Studien zeigen: Bessere Personalschlüssel ermöglichen positive pädagogische Interaktionen und bildungsanregende Aktivitäten für die Kinder (vgl. zum Forschungsstand Viernickel/Schwarz 2009: 13ff.). Zudem lassen sich bei einem vergleichsweise guten Personalschlüssel eine positive Entwicklung der sprachlich-kognitiven Fähigkeiten und eine Steigerung des emotionalen Wohlbefindens der Kinder erkennen (vgl. ebd.). Die Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik veranschaulichen, dass die Personalressourcen der KiTas in den Bundesländern sehr unterschiedlich ausgestaltet und die strukturellen Rahmenbedingungen sehr heterogen sind.

Unterschiede zwischen den Bundesländern in der Personalausstattung in Krippen- und Kindergartengruppen

Die aktuellsten amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik, die ein eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs erhoben wurden (Stichtag: 01.03.2015), veranschaulichen, dass der Personalschlüssel (inklusive des Beschäftigungsumfangs des Leitungspersonals) in den Krippengruppen (Gruppen mit ausschließlich Kindern unter drei Jahren) in Baden-Württemberg (1:2,9) und in Bremen (1:3,1) am günstigsten ist. Die Personalschlüssel in den übrigen Ländern variierten zwischen 1:3,4 (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland) und 1:6,0 (Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt). Demnach ist zum Beispiel in Sachsen-Anhalt eine Fachkraft für doppelt so viele unter dreijährige Kinder zuständig wie in Baden-Württemberg. Diese Qualitätsunterschiede setzen sich auch in Kindergartengruppen (Gruppen mit Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt) fort: Auch hier kann in Baden-Württemberg (1:7,0) und Bremen (1:7,1) der günstigste Personalschlüssel erreicht werden, wohingegen die Personalausstattung in den Kindergartengruppen in Mecklenburg-Vorpommern (1:13,2) am ungünstigsten ist. Erstmalig war es mit den amtlichen Daten von 2014 auch möglich den Personalschlüssel für den Stadtstaat Berlin zu berechnen, da zuvor das Merkmal Gruppenzugehörigkeit der Kinder in Berlin nicht erfasst wurde. Auch wie in dem Jahr zuvor zeigt sich für 2015, dass in den Berliner Krippengruppen ein Personalschlüssel vorliegt (1:5,5), der eher den ostdeutschen Verhältnissen (1:5,8; mit Berlin) entspricht, wohingegen in den klassischen Kindergartengruppen ein Personalschlüssel erreicht wird (1:8,1), der eher den westdeutschen Verhältnissen (1:8,0) gleicht.

 

Methodische Hinweise: Wie wird der Personalschlüssel berechnet?

Der für jedes Bundesland ausgewiesene Personalschlüssel ist eine mit Hilfe der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik ermittelte rechnerische Größe (vgl. Fuchs-Rechlin 2013; Strunz 2013; Lange 2008). Der Wert gibt Auskunft darüber, wie viele ganztags betreute Kinder (Ganztagsbetreuungsäquivalente) von einer Vollzeit arbeitenden Fachkraft (Vollzeitäquivalent) betreut werden. Es geht also um den Personalressourceneinsatz, und somit um die Relation zwischen den vertraglich vereinbarten Betreuungszeiten aller Kinder und den vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen, die für eine Gruppe eingesetzt werden. Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit umfasst die unmittelbare pädagogische Arbeit mit den Kindern sowie die mittelbare pädagogische Arbeit, die auch Vorbereitungszeiten, Teamsitzungen, Elterngespräche, usw. beinhaltet. Des Weiteren sind darin Urlaub und Fortbildungszeiten – sogenannte Ausfallzeiten – enthalten. Der Personalschlüssel umfasst neben den Arbeitszeiten des pädagogischen Gruppenpersonals, auch anteilig die Arbeitszeiten des gruppenübergreifenden Personals und der Leitungskräfte (im Gegensatz zu dem Indikator „Personalschlüssel in KiTas ohne Leitungsstunden“). Die Arbeitszeiten des  Verwaltungspersonals sowie der Beschäftigten, die für die Förderung von Kindern mit (drohender) Behinderung zuständig sind, werden bei dem vorliegenden Indikator nicht berücksichtigt. Der Personalschlüssel gibt nicht an, wie viele Kinder zu jedem Zeitpunkt am Tag von einer Fachkraft betreut werden. Dies wiederrum wird mit Hilfe der sogenannten Fachkraft-Kind-Relation dargestellt, die sich tatsächlich nur auf die direkte pädagogische Arbeitszeit in den Gruppen bezieht.

Die Berechnung des ausgewiesenen Personalschlüssels wurde innerhalb der vergangenen Jahre umgestellt, so dass der hier ausgewiesene Personalschlüssel in zweifacher Hinsicht nicht mit den Werten der Vorjahre vergleichbar ist: Ab 2010 wird zum einen der gruppenbezogene Median dargestellt, d. h. der Zentralwert aller jeweils errechneten Personalschlüssel. In den Vorjahren wurde das arithmetische Mittel ausgewiesen, also der durchschnittliche Wert aller jeweils berücksichtigten Personalschlüssel. Zum anderen wird ab 2012 der exakte vertraglich vereinbarte wöchentliche Betreuungsumfang der Kinder erfasst und nicht wie in den Vorjahren nur Kategorien der täglichen Betreuungszeiten. Darüber hinaus werden ab 2012 die Arbeitszeiten des Personals in bis zu zwei Arbeitsbereichen erfasst, zuvor wurde die gesamte Arbeitszeit der Tätigen dem überwiegenden Arbeitsbereich zugeordnet. Dadurch konnte die Berechnung des Personalschlüssels verbessert werden; der Vergleich zu den Vorjahren ist jedoch nur noch sehr eingeschränkt möglich (vgl. Fuchs-Rechlin 2013).

Ausgewiesen werden die Personalschlüssel für verschiedene Gruppentypen, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • "Krippengruppen": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich Kinder unter drei Jahren betreut werden.
  • "Für Zweijährige geöffnete Kindergartengruppen": Dies sind Gruppen mit 15 und mehr Kindern, in denen neben Kindern ab einem Alter von drei Jahren bis zum Schulbesuch auch bis zu fünf zweijährige Kinder betreut werden.
  • "altersübergreifend, Gruppen mit Kindern unter vier Jahren": Dies sind alle Gruppen, die nicht den Krippengruppen zugeordnet sind und in denen ausschließlich Kinder unter vier Jahren betreut werden. Bis 2011 ist dieser Gruppentyp in den altersübergreifenden Gruppen (Gruppentyp 3) enthalten.
  • "altersübergreifend, Kinder ab null Jahren bis Schuleintritt": Hierunter fallen diejenigen Gruppen, die nicht den vorangegangenen Gruppentypen zugeordnet wurden, aber in denen Kinder unter drei Jahren sind, als auch Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt sind. Sprachlich exakt müsste diese Gruppenform "altersgruppenübergreifende Gruppen" heißen, da diese Gruppen sowohl von Kindern der Altersgruppe unter drei Jahren (‚Krippenkinder‘) als auch von Kindern der Altersgruppe ab drei Jahren bis zur Einschulung (‚Kindergartenkinder‘) genutzt werden. Unberücksichtigt bleiben Gruppen, in denen auch Schulkinder sind.
  • "Kindergarten, Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt": Dies sind alle Gruppen, in denen ausschließlich Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt sind, also die klassischen Kindergartengruppen.

Die Zuordnung von Gruppen in Kindertageseinrichtungen zu einem bestimmten Gruppentyp wird nicht von den Einrichtungen selbst vorgenommen, sondern erfolgt im Rahmen der Auswertung der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Dabei erfolgt die Zuordnung primär anhand der Alterszusammensetzung der Kinder in der Gruppe.

Gruppen in denen Kinder mit einer (drohenden) Behinderung betreut werden, werden in der Berechnung nicht berücksichtigt.

Weitere methodische Erläuterungen zum Personalschlüssel sind hier zu finden.

 

Literatur

Fuchs-Rechlin, Kirsten (2013): Genauer hingeschaut - Personalausstattung in KiTas schlechter als gedacht, in: KomDat Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe, H. 1/2013, S. 12-15.

Lange, Jens (2008): Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen, Berechnungsgrundlagen und empirische Ergebnisse eines vielbeachteten Indikators, in: FORUM Jugendhilfe, H. 3/2008, S. 41-44.

Strunz, Eva (2013): Wie viel Personal für wie viele Kinder? - Der Personalressourceneinsatz in Kindertageseinrichtungen 2013, in: FORUM Jugendhilfe, Heft 4, S. 33-40.

Viernickel, Susanne/Schwarz, Stefanie (2009): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung – Wissenschaftliche Parameter zur Bestimmung der pädagogischen Fachkraft-Kind-Relation. Expertise. Herausgegeben vom Paritätischen Gesamtverband, dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) e.V. und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Berlin.

Quelle

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund (AKJStat), 2015.