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Die KiTa-Leitungskräfte haben eine zentrale Bedeutung für eine „gute“ Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungspraxis in ihren Einrichtungen: Als Vermittler zwischen dem Träger, den pädagogischen Fachkräften und den Eltern kommt ihnen eine Schlüsselfunktion für die Qualitätsentwicklung und -sicherung zu (vgl. Strehmel 2015: 150 ff.; Strehmel/Ulber 2014: 10ff.; Viernickel u. a. 2013). Dabei sind sie mit einem komplexen und vielfältigen Aufgabenfeld betraut, das die pädagogische Leitung, Organisations- und Qualitätsentwicklung, Konzeptionsentwicklung, Personalführung und -entwicklung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit den Eltern sowie mit dem Träger und das Selbstmanagement umfasst. Angesichts dieser hohen Bedeutung ist das Thema KiTa-Leitung und die angemessene Ausstattung der KiTas mit zeitlichen Leitungsressourcen erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Debatte um die qualitative Weiterentwicklung der Angebote der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung gerückt.

Anhand des vorliegenden Indikators wird dargestellt, wie hoch in den einzelnen Bundesländern der Anteil der KiTas ist, in denen laut Angaben der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik keinerlei zeitliche Ressourcen für die Ausübung von Leitungsaufgaben zur Verfügung stehen (s. methodische Hinweise). Es geht also um KiTas in denen laut Arbeitsvertrag keine Person über Zeitressourcen für die Wahrnehmung von Leitungsaufgaben – anteilig oder vollständig – verfügt.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Mit Blick auf diesen Anteil an Kitas ohne zeitliche Leitungsressourcen zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Der Anteil der KiTas ohne zeitliche Leitungsressourcen schwankt am 01.03.2015 zwischen 1,8 % in Sachsen-Anhalt – dies sind gerade einmal 32 KiTas – und einem Anteil von 32 % in Bremen. Grundsätzlich ist der Anteil der KiTas ohne zeitliche Leitungsressourcen mit 14,6 % in Westdeutschland höher als der entsprechende Anteil in Ostdeutschland (mit Berlin), hier liegt er bei 8,7 %.

Hinsichtlich der Ursachen dieser schwankenden Anteile gibt es bislang noch keine abschließenden Erklärungen. Die Daten lassen zunächst vermuten, dass einer der Gründe in der landesseitigen Steuerung der zur Verfügung stehenden zeitlichen Leitungsressourcen liegt. Diese Gründe gilt es differenzierter in den Fokus von Analysen zu stellen. Zudem gilt es zu klären, welche Auswirkungen auf institutioneller aber auch auf professioneller Ebene bestehen, wenn eine Person zwar Leitungsaufgaben wahrnimmt, dafür jedoch offiziell keinerlei Ressourcen zur Verfügung hat und mithin ein Teil der Anerkennung bzw. des Status fehlt.

 

Methodische Hinweise

Die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik erfasst seit 2011 die „vereinbarten Wochenstunden" der Pädagoginnen in maximal zwei Arbeitsbereichen in KiTas; zu den Arbeitsbereichen zählt auch die Einrichtungsleitung. Auf diese Weise können Fachkräfte identifiziert werden, die laut Vertrag ausschließlich Zeit für Leitungsaufgaben zur Verfügung haben und somit auch die Anzahl der KiTas, in denen laut Vertrag keine Person zeitliche Leitungsressourcen besitzt.

 

Literatur

Strehmel, Petra (2015): Leitungsfunktion in Kindertageseinrichtungen. Aufgabenprofile, notwendige Qualifikationen und Zeitkontingente, in: Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2015): Gute Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg, S. 131-252.

Strehmel, Petra/Ulber, Daniela (2014): Leitung von Kindertageseinrichtungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 39. München.

Viernickel, Susanne/Nentwig-Gesemann, Iris/Nicolai, Katharina/Schwarz, Stefanie/Zenker, Luise (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Berlin.

Quelle

FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, verschiedene Jahre; Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund, 2016.