Kinder mit nicht deutscher Familiensprache in Kindertagesbetreuung {{selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].chart.yearLabelOverride || selectedDataLayer.legend[selectedIndicator.uid].map.yearLabelOverride || selectedDataLayer.year}}
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Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage zunehmend in einer multikulturellen Gesellschaft auf, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an Kindern mit Fluchtgeschichte in Deutschland. Dabei ist die erfolgreiche Teilhabe am deutschen Bildungssystem in erheblichem Maße davon abhängig, ob Kinder über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund (mindestens ein Elternteil ist ausländischer Herkunft), für die deutsch ihre zweite oder auch dritte Sprache ist, brauchen deshalb möglichst früh Lebenskontexte, die es ihnen auch ermöglichen, deutsch zu lernen. Kindertageseinrichtungen können einen dieser bedeutsamen Lebenskontexte darstellen, indem zum einen die dort tätigen Fachkräfte die Sprachfähigkeiten der Kinder gezielt fördern und zum anderen Kinder, die in ihren Familien nicht deutsch sprechen, von Kindern, die in ihren Familien deutsch sprechen, lernen. So konnten bisherige Studien belegen, dass Kinder mit Migrationshintergrund mit zunehmender Dauer des Kindergartenbesuchs seltener Defizite in der deutschen Sprache aufweisen (vgl. z. B. Becker 2006). Ebenso ist das Potential der Mehrsprachigkeit auch als Chance für das Aufwachsen von Kindern zu verstehen. Wie viele der betreuten Kinder in KiTas und Kindertagespflege derzeit in der Familie vorwiegend nicht deutsch sprechen, kann mit Hilfe der amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik differenziert für die Altersgruppen der Kinder unter drei Jahren und der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt (nur KiTa) auf Ebene der Kreise bzw. kreisfreien Städte sowie der Jugendamtsbezirke dargestellt werden (s. methodische Hinweise).

Im Folgenden wird der Fokus auf die unter Dreijährigen in KiTas nach Familiensprache gerichtet: Zum 01.03.2016 spricht bundesweit ungefähr jedes 8. Kind unter drei Jahren in den KiTas zuhause vorwiegend nicht deutsch (12,9 %). Dabei ergeben sich enorme Unterschiede nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch innerhalb der Bundesländer gibt es auffällige Differenzen zwischen den Kreisen bzw. kreisfreien Städten sowie zwischen den Jugendamtsbezirken: Während im Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt) nur 0,7 % der betreuten KiTa-Kinder im Alter von unter drei Jahren zuhause überwiegend nicht deutsch spricht, so trifft dies in der kreisfreien Stadt Offenbach am Main (Hessen) auf fast die Hälfte aller betreuten Kinder zu (46,8 %). Die diesbezüglich größte Spannweite zwischen den Kreisen unter den Flächenländern ergibt sich in Hessen, und zwar von 3,7 % im Landkreis Werra-Meißner-Kreis bis hin zu 46,8 % in der bereits genannten Stadt Offenbach am Main. Demgegenüber gibt es die geringste Differenz zwischen den Kreisen in Mecklenburg-Vorpommern, und zwar sprechen hier im Landkreis Rostock nur 1,3 % der betreuten unter Dreijährigen in KiTas zuhause überwiegend nicht deutsch, im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist der Anteil mit 5,3 % nur geringfügig höher.

Weitere regionale Unterschiede ergeben sich ebenfalls bei den unter Dreijährigen in Kindertagespflege sowie bei den ab Dreijährigen in Kindertageseinrichtungen nach Familiensprache.

Die Information, dass Kinder überwiegend eine andere Sprache als deutsch in ihren Familien sprechen, gibt wertvolle Hinweise für die besondere Funktion, die KiTas für diese Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache zukommt. Vor diesem Hintergrund wäre es aufschlussreich festzustellen, ob das pädagogische Personal in den KiTas ausreichend qualifiziert ist, um Kindern mit Migrationshintergrund angemessene Bildungsgelegenheiten in KiTas zu eröffnen, und insbesondere, ob das Personal die Kinder, die in der Familie vorrangig nicht deutsch sprechen, angemessen beim Zweitspracherwerb (deutsch) begleiten kann.

Im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird erhoben, ob in der Familie vorrangig deutsch oder nicht deutsch gesprochen wird. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass die auf diese Weise erfasste Gruppe an Kindern mit nicht deutscher Familiensprache sehr heterogen hinsichtlich ihrer (sozio-)ökonomischen und sozialen Lebenslage, Kultur und Biografie, etc. ist.

Quelle
Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2016; Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, 2017.

Literatur
Becker, Birgit (2006): Der Einfluss des Kindergartens als Kontext zum Erwerb der deutschen Sprache bei Migrantenkindern, in: Zeitschrift für Soziologie, 35. Jg., Heft 6, S. 449-464.